Berlin, 28. August 2017

Traum: Ein Wahnsinnssturm zieht über Gossau. Die Regentropfen gleichen Nadeln, welche durch die Luft wirbeln. Ab und zu blitzt Feuer am Himmel auf. Es handelt sich aber nicht um herkömmliche Blitze sondern um Feuerbälle, welche vielleicht durch die extreme Reibung von Wind und Regen entstehen. Ganz unverhofft zieht das Gewitter dann weiter. Auf die Dunkelheit folgt Sonnenschein, aber ich wundere mich darüber, dass die Sonne im Osten steht, obwohl es Abend ist. Ich vermute, dass dieser Sturm etwas Übernatürliches war. Er scheint die ganze Welt umgepolt zu haben. Jetzt, beim Schreiben, denke ich an Lars von Triers Film Melancholia.

Ich öffne das Fenster, aber es windet immer noch sehr stark. Dies bestärkt meinen Eindruck, dass etwas Außergewöhnliches geschehen ist. Ich drehe die Sonnenstore hoch, damit der Wind sie nicht ausreißt. Nachher gehe ich ins Zimmer meiner Eltern. Die Sonnenstore meiner Mutter ist noch unten und ich erkläre ihr, dass sie bei so starkem Wind fortgerissen werden könnte. Meine Mutter sagt, sie hätte sie bei solchem Wetter immer unten um doppelt geschützt zu sein, sieht aber meine Argumentation ein und dreht die bereit bedrohlich flatternde Store hoch. Dann entdecken wir, dass das Fenster offen gewesen war und der Wind viel Dreck und Sand und Ameisen ins Zimmer geblasen hatte. Das Sims und der Boden und die Wand rund ums Fenster sind voll davon. Überall krabbelt es. Meine Mutter ist aufgebraucht, ich bleibe ruhig. Es ist als hätte ich meinen immer wiederkehrender Traum von den unsicheren, durchlässigen eigenen vier Wänden an jemand anderen weitergereicht. Hier bricht das Bild ab.

Beim Schreiben fiel mir noch ein, was dem Sturm vorausgegangen war: In Gossau, oder eigentlich eher in einer Großstadt, in der aber mein Elternhaus samt dazugehörigem Quartier stehen, findet eine Konferenz statt. Ich habe morgen hinzugehen, heute Abend aber noch muss ich ins Zentrum (der unbekannten Großstadt), um mit meinem Geschäftspartner und Kunden zu essen. Ich habe keine Lust bei dem Sturm rauszugehen, halte es aber noch für möglich, denn er hat seinen Höhepunkt mit den Feuerbällen noch nicht erreicht. Merkwürdigerweise liegt unten in meinem Elternhaus ein Restaurant. Auch dieses ist für ein Firmenessen gebucht worden, obwohl es weit vor den Toren der Stadt liegt, denn alle Restaurants sind ausgebucht. Zum ersten Mal überhaupt hat eine Gruppe von Ausländern hier einen Tisch gebucht. Ich will den Essenden von meinem Zimmer aus zusehen, muss aber selber in ein Restaurant, was ich bedauere. Dann aber kommt es zum oben beschriebenen Sturm und die Fahrt in die Stadt fällt ins Wasser.

Die erste Schlagzeile die ich am Morgen lese ist: Ex-hurricane Harvey: Houston flooded as catastrophe unfolds in Texas. Ich frage mich, was ein Ex-Hurrikan sein soll und denke daran, dass ich selbst vor ein paar Monaten in Texas an einer Konferenz war.

Berlin, 26. August 2017

Traum: Ein befreundeter Arzt konnte aus unbekannten Gründen seine Sprechstunde nicht verrichten und bat mich, einen Morgen lang für ihn einzuspringen. Im Viertelstundentakt war mit Patienten zu rechnen. Ich sollte sie empfangen und mit einer Diagnose beruhigen. Wie das genau gehen sollte, war nicht klar, aber der Arzt und auch ich selbst waren der Meinung, dass es schon hinhauen würde. Trotzdem war ich nervös. Vor allem fürchtete ich, aufzufliegen, zum Beispiel durch einen mit der Medizin vertrauten Patienten oder durch Pausengespräche mit den anderen Ärzten im Gesundheitszentrum. Man würde meine Inkompetenz als Arzt erkennen. Nachdem ich erwacht und wieder eingeschlafen war, und im kurzen Wachzustand bereits über den Traum reflektiert hatte, kam er nochmals zurück. Dieses Mal wurde ich nach meiner halbtägigen Episode als falscher Arzt selbst krank.