Madrid, 12. November 2017

Kaffee gestern: Ich erwache um fünf Uhr dreißig, weil ich unter der Woche normalerweise um diese Zeit einen Kaffee trinke und lese. Gestern aber war Samstag und Carol mag es nicht, wenn sie am Wochenende auch alleine erwacht (dann fühlt der Samstag sich an wie ein Wochentag). Deshalb blieb ich liegen, schlief wieder ein und erwachte um acht, als die Sonne ins Zimmer fiel. Ich spürte den Kaffeentzug, aber es war ein angenehmes Gefühl, mehr Vorfreude als unmittelbare Notwendigkeit. Nachdem wir gefrühstückt, geduscht und uns angekleidet hatten, machte ich mir einen Espresso mit meinem Espressokocher der Marke Bialetti. Es handelt sich dabei um die kleinste Ausgabe, für einen einzigen Espresso. Ich verwendete starken Kaffee der Marke Bonka. Ich trank ihn auf dem Sofa und wollte Tolstoi lesen, aber es war zu laut in der Wohnung, weshalb ich mir Videos von Herbert liest anguckte. Später wollte ich mit Carol noch einen zweiten Kaffee im neuen Café im Parque de la Paz trinken, aber daraus wurde nichts, wir saßen stattdessen auf einer Bank an der Avenida de la Libertad an der Sonne und aßen getrocknete Feigen und Datteln.

Später habe ich dann unter dem Einfluss obiger Videos, welche oft in Wohnungen von Herberts Freunden aufgenommen werden, wo Herbert die dortigen Büchergestelle durchforstet und analysiert, meine Büchergestelle ein wenig umgeordnet.

Zwei Kaffees

Im August pflegte ich meinen Kaffee am frühen Morgen zu trinken, wie ich es manchmal eine Zeitlang gerne tue, obwohl dieser Habitus früher oder später zwangsläufig Kaffeeprobleme nach sich zieht. Ich beginne während solchen Phasen immer früher zu erwachen und meinen Kaffee noch schlaftrunken und ohne die nötigen Vorbereitungen zu trinken. Nach ein paar Wochen kommt dann jeweils die unvermeidliche Erkenntnis, dass ich meine Kaffeegewohnheiten wieder disziplinieren muss. Damit meine ich nicht weniger Kaffee zu trinken, denn ich trinke nie mehr als zwei Tassen pro Tag, sondern später und zum richtigen Zeitpunkt Kaffee trinken. – Dieses Mal ereilte mich die Einsicht an einem Sonntag. Ich trank in der Cafeteria des Deutschen Historischen Museums eine Tasse guten deutschen Filterkaffees, die mir aber nicht schmeckte. Sie hatte weder einen psychologischen noch einen körperlichen Effekt auf mich. Ich wusste, dass eine weitere Phase frühmorgendlichen Kaffeetrinkens ihr Ende genommen hatte.

Am Montagmorgen stand ich wieder immer früh auf, um zu arbeiten, verzichtete dabei aber auf den Kaffee. Das fiel mir gar nicht schwer, da ich wieder Lust auf die Rückkehr zu den alten Kaffee-Gewohnheiten hatte, wie jemand der sich gegen Ende des Urlaubs wieder auf die alltäglichen Routinen freut. Wir frühstückten zu Hause. Gegen zehn Uhr ging ich mit Pepis los. Der Morgen war schön. Hand in Hand gingen wir zur Haltestelle, fuhren zwei Stationen weit mit dem Tram und spazierten dann zum Café Kraft, wo ich einen Cortado und Pepis einen Croissant bestellte. Wir saßen draußen auf der Bank, beobachteten das Geschehen auf der Straße (Müllmänner waren am Werk) und unterhielten uns darüber. Zehn Minuten später wurde mir ein perfekter Kaffee serviert und er schmeckte so gut, wie schon lange nicht mehr. Neben uns las ein Mann die TAZ und wunderte sich darüber, wie lange er auf seinen Kaffee warten musste. Ich sagte ihm, dass sei hier so üblich, das Warten lohne sich aber.

Am Dienstagmorgen dann hatte ich große Lust, die perfekte Kaffeeerfahrung vom Montag zu wiederholen. Ich arbeitete zwei Stunden lang und ging dann los. Bubi und Pepis schliefen noch. Ich wollte auf die andere Seite der Geleise, wo Biomärkte oder zumindest ein Rewe zu finden sind (im Gegensatz zum Penny auf unserer Seite der Geleise, wo wir bei unserem einzigen Besuch Zeugen eines Streits an der Kasse mitsamt anschließendem Schreiduell wurden). Ich wollte also in einem schöneren Supermarkt einkaufen und danach ins Café Kraft gehen. Als ich aber bereits im Tram saß, taten mir Bubi und Pepis, die unterdessen bestimmt bereits wach wären und auf die Brötchen warteten, plötzlich leid. Ich ging deshalb in den ersten Supermarkt nach den Geleisen, kaufte für den Tag ein und fuhr dann, immer noch koffeinfrei, wieder nach Hause. Dort angekommen, stellte ich fest, dass die beiden noch schliefen. Perfekt: So konnte ich mir selbst in aller Ruhe einen Kaffee machen. Ich stellte einen kuriosen kleinen Espressokocher auf den Herd, bei welchem das schwarze Gebräu aus zwei Aluminiumröhrchen direkt in zwei Espressotassen tröpfelt. Während der Kaffee in Vorbereitung war, wärmte und schäumte ich ein wenig Milch. Dann goss ich kochendes Wasser in eine etwas größere Tasse, um diese vorzuwärmen. Schließlich kippte ich die beiden fertigen Espressos in die größere Tasse und leerte die heiße Milch dazu. Als der hausgemachte Cortado trinkfertig auf dem Tisch stand, vernahm ich aus dem Schlafzimmer, dass Bubi und Pepis sich zu regen begannen. Ich setzte mich mit meiner Tasse Kaffee aufs Küchensofa und wartete darauf, dass der Tag beginne.

Jetzt, am Mittwoch, dies schreibend, trinke ich wieder eine Tasse Kaffee, die dritte in dieser Woche, erneut zu Hause wie gestern zubereitet. Vielleicht gehe ich nach dem Mittagessen sogar noch ins Café Kraft.