By Andreas Eigenmann

Peter Sloterdijk: “Du mußt dein Leben ändern”

“Das Kunstwerk darf sogar uns, den der Form Entlaufenen, noch etwas ‘sagen’, weil es ganz offensichtlich nicht die Absicht verkörpert, uns zu beengen. ‘La poésie ne s’impose plus, il s’expose.’ [Paul Celan] Was sich selbst ausgesetzt und in der Prüfung bewährt hat, gewinnt unangemaßte Autorität. Im ästhetischen Simulationsraum, der Zugleich der Ernstfallraum für Gelingen und Mißlingen des künstlerischen Gebildes ist, kann die machtlose Superiorität des Werkes auf Beobachter einwirken, die ansonsten empfindlich darauf achten, keinen Herrn über sich zu haben, keinen alten und keinen neuen.” (Seite 37)

Man ersieht schon an diesem einen Satz, dass es sich bei Sloterdijk um einen Außerirdischen handelt.

Schülerduden: “Die Philosophie”

Am Anfang aller Erkenntnistheorie steht die Frage, was man überhaupt unter “Wissen” verstehen soll. und zwar in der Abgrenzung von “Meinen” und “Glauben”. Der größte Teil allgemein verfügbarer Erkenntnisse besitzt entweder den Status wahrer Meinung oder wird geglaubt. Wissen in einem engeren philosophisch-wissenschaftlichen Sinne liegt aber erst dann vor, wenn zur Haltung des Überzeugtseins (wie beim Glauben) die (selbstständige) Kenntnis von guten Gründen hinzukommt, die zur Bestätigung oder Rechtfertigung der fraglichen Aussagen hinreichen.” Seite 124, Eintrag zur “Erkenntnistheorie”, wegen Sloterdijk-Lektüre zur Hand genommen.

Alcorcón, 7. August 2019

Ein stichwortartiger Rückblick:

26./27. Juli, Seelisberg (Uri): Eine Tasse schwachen Kaffees aus der Thermosflasche auf dem Bauernhof.
28./29. Juli, Camping Des Glaciers (Wallis): Kaffee im Wohnwagen, in einem mitgebrachten italienischen Espressokocher gebraut.
30./31. Juli, Thonon-les-Bains (Frankreich): Hotelkaffee, der leider hinter den Erwartungen an einen französischen Kaffee zurückblieb.
1. August, Saignelégier (Jura): Ein freundlicher Camper vom Nachbarzelt lud mich am frühen Morgen zu einer auf dem Gaskocher gebrauten Tasse ein. Später erholte ich mich von der kühlen Nacht an einem Plätzchen an der Sonne, dazu Hesse-Lektüre.
2./3./5. August, Gossau (St. Gallen): Gossauer Kaffee, dazu weiter bei Hesse.
4. August, Bürchen (Wallis): Ein Espresso aus der Kaffeemaschine, Frühstück mit Comix, Hägar und Mira.
6. August, Alcorcón (Madrid): Wie zu Hause üblich, Kaffee aus dem italienischen Espressokocher.

Heute: Ein kühler Morgen auf dem Balkon; ein Wolkentag, es soll sogar ein wenig regnen (überhaupt ist der Sommer für Madrider Verhältnisse recht reich an Niederschlag). Ein Espresso, dazu schließe ich die Lektüre des Hauptteils vom “Glasperlenspiel” ab. Ganz unerwartet stirbt Josef Knecht – ein eindrückliches aber enttäuschendes Ende.

Zürich, 25. Juli 2019

Während Paul und Carolina noch schlafen, leere ich löslichen Kaffee aus einem Portionsbeutel in eine Tasse und gieße heißes Wasser darüber. Ich trinke normalerweise keinen Instantkaffee, aber in Hotelzimmern, ausnahmsweise, mag ich ihn ganz gerne. Auf dem Tisch liegen “Das Glasperlenspiel” und “The Spectator”, aber ich komme nicht mehr zum lesen – schon beginnen sie sich im Bett zu regen.

Gossau, 24. Juli 2019

Kaffee in der Stube, bei offener Balkontür und mit dem “Glasperlenspiel”. Blauer Himmel; schon um sechs Uhr früh liegt nur noch ein Hauch von Morgenfrische in der Luft, ein heißer Tag kündigt sich an. Heute beginnt unsere Schweizer Reise. Erste Station: Zürich.

Gossau, 23. Juli 2019

Kaffee im Gartenhaus. Mein üblicher Gossauer Kaffee in einer Tasse, welche die ideale Größe hat: sie wird ausgefüllt durch einen langen Espresso der auf einen fingerbreiten Boden vorgeheizter Milch rinnt. Ein cortado largo de café. Der Blick geht auf die grüne Wiese, Büsche und Bäume und darüber den blauen Himmel. Die angekündigte Hitzewelle lässt auf sich warten.
Lektüre: Zuerst einige Tage in “Siebzig Verweht III”, dann im “Glasperlenspiel”, dem einzigen Roman von Hesse, den ich noch nicht gelesen hatte. Hesse hat den Ruf eines Autoren, der junge Menschen fasziniert und an den man im späteren Leben mit etwas Nostalgie zurückdenkt (ebenso wie zum Beispiel an Hemingway). Eigentlich hatte auch ich gedacht, dass Hesse und Hemingway längst hinter mir lägen, jetzt aber lese ich ihn mit viel Freude, und heute Morgen erwachte in mir der Wunsch “For Whom the Bell Tolls” wieder zu lesen (nach fast dreißig Jahren).