Corona Tag 50

Tausend Jahre sind ein Tag, sangen sie früher im Fernsehen. Doch mir kommt es eher vor als seien fünfzig Jahre fünfzig Tage. Eines Morgens wacht man auf: Fünfzig. Das dahinterstehende Nomen spielt keine Rolle.

Corona ist die Zukunft. Pure Akzeleration. Die Zukunft, die mit all ihren Erschütterungen und Errungenschaften im Boden unserer globalisierten Welt vergraben lag, wird durch den Tsunami Corona ans Tageslicht geschwemmt. Ein reißender Fluss durch verlassene Städte. Wie Touristen in Thailand, stehen wir auf dem Dach des Hotels und schauen zu, wie die Zukunft ihr Regnum installiert. Wir tun was wir können: Grundeinkommen, Gelddrucken, Rettungsprogramme … Aber die neue Normalität, die uns erwartet, vermag niemand vorherzusehen. Einzig ein paar Silhouetten zeichnen sich im Durcheinander ab: der Tod des Einzelhandels, das Aufblähen der Staaten … Doch das Meiste bleibt noch unverständlich. Zum Beispiel die Börse. Die größte Rezession seit der Großen Depression lauert am Horizont, doch die Aktienpreise reflektieren diese nicht, als hätten sie die ihnen von Wirtschaftswissenschaftlern zugeschriebene Fähigkeit, der Zukunft ein Preisschild umzuhängen, verloren.