Ganz zum Ende der Nacht dieser Traum: Ein Schwarzweiß-Film aus dem Krieg. Das Kunstwerk eines großen, alten Filmemachers. Der Krieg, um den es sich handelt, ist wohl der Zweite Weltkrieg; der Regisseur war Bergman. Der Film besteht aus einer Rundherum-Aufnahme. Langsam dreht sich die Kamera um die eigene Achse und offenbart in einem 360-Grad-Schwenker die ganze Umgebung. Es handelt sich dabei um das Oberwatt-Quartier in Gossau. Die Kamera schwebt fünf oder zehn Meter über dem Boden, ungefähr dort, wo die Nelkenstraße zur Wohnstraße wird. Stumm und verlassen liegen die Häuser da. Dazwischen wiegen sich die Bäume und Büsche sanft im Wind. Aber nichts ist zu hören, da es sich um einen Stummfilm handelt. Im Traume betrachte ich den Film und denke: Damals im Krieg standen also diese Häuser schon. Was der Regisseur damit wohl sagen will? Er will vielleicht zeigen, dass nur die Zeit, nicht aber der Raum uns vom Kriege trennt. – Hier bricht der Traum ab. Während ich dies schreibe, zieht draußen Nebel auf. Die Balkontür ist nur ein Spaltbreit offen, trotzdem spürt man die hereinströmende Kälte. Ab und zu hört man die einsamen Schritte von jemandem, der zur Metro geht. Die Vögel haben ihr Morgenkonzert beendet, nur eine einzige Taube ist noch am gurren.