Gestern durfte Paul nach mehr als vierzig Tagen Zwangsaufenthalt in der Wohnung (mit ein paar Besuchen auf dem Dach und einem einzigen „illegalen“ Spaziergang, bei dem wir uns vor der Guardia Civil hatten verstecken müssen) zum ersten Mal wieder offiziell ins Freie. Um halb zehn am Morgen zogen wir uns sportlich an – ich in meinem running outfit und Paul in kurzen Hosen, an die seine Mama einen Schwanz angenäht hatte; er war ein Neuweltäffchen – und machten uns auf den Weg durch die Stadt (wobei wir den vorgeschriebenen ein-Kilometer-Radius manchmal ein wenig überschritten). Als erstes begegneten wir unseren Nachbarn, Susana und Mateo, einer Mama und ihrem sechsjährigen Sohn, den Paul „seinen Freund“ nennt, weil er ihn vom Balkon her kennt. Auch sonst waren um diese Zeit schon recht viele Kinder unterwegs. Sie durften sich nicht zu nahekommen, sodass ein paar der Kinder sich, auch wenn sie sich nicht kannten, aus sicherer Distanz zuwinkten. Es war kühl; die meisten Kinder trugen Jacken, nur Paul, der eben ein new world monkey war, trug kurze Hosen. Ein graublauer Himmel lag über der sauberen, aber verwilderten Stadt. Der stockend und in vielen Bereichen ganz zum Stillstand gekommene Wirtschaftsbetrieb wirkte sich auf die Sauberkeit der Straßen aus; andererseits aber sprießten in den Parks und auf anderen Grünflächen das Gras und die Pflanzen in saftigem Grün, da sie nach den ausgiebigen Aprilregenfällen nicht zurückgeschnitten worden waren. Bereits nach wenigen Wochen des Ausnahmezustands kam es einem also vor, als spaziere man durch eine Stadt, die plötzlich von den Menschen verlassen worden war. Das lag natürlich auch daran, dass die Abfallentsorgung weiterhin gut funktioniert, während die städtischen Gärtnereibetriebe bis auf Weiteres ihre Arbeit eingestellt haben. Die ruhige Sonntagmorgenatmosphäre trug das Ihrige zum Gefühl bei, die Stadt sei zum Park geworden. Obwohl man eigentlich nur einmal raus darf, machten wir nach dem Mittagessen noch einen Spaziergang. Paul kletterte auf Bäume.