Corona Tag 16

Beobachtungen in Zeiten des Coronavirus:

Ein Mann, etwas über dreißig, dem Aussehen nach einer jener vielen Arbeitslosen, die vielleicht noch nie gearbeitet haben oder nur als Tagelöhner und demzufolge noch immer im ehemaligen Kinderzimmer der elterlichen Wohnung hausen, hat es wohl ebendort nicht mehr ausgehalten. Er drückt sich in eine Ecke zwischen zwei Wohnblöcken, raucht und spricht am Telefon mit einer jungen Frau, die er, so hört es sich an, online kennengelernt hat. Ein paar Minuten später taucht die Polizei auf – wohl von einem wachsamen Nachbarn gerufen, der nichts anderes zu tun hat, als am Fenster die Straßen zu überwachen – und nimmt ihn mit.

Ein Anderer, den es ebenfalls an die frische Luft gedrängt, geht zum x-ten Mal mit seinem Hund dieselbe Straße herunter – Gassi gehen ist erlaubt. Irgendwo geht ein Fenster auf und jemand ruft heraus: “Hey, du gehst jetzt zum fünften Mal hier vorbei. Einmal genügt dem Hund. Das ist verboten, geh sofort nach Hause!” – Vielleicht derselbe Hobbywächter, der die Polizei gerufen hatte?

Schwer beladen auf dem Weg vom Aldi nach Hause, sehe ich einen Pensionär, der wackeren Schrittes durch die Gegend spaziert. Ohne Hund und offensichtlich auch nicht auf dem Weg in den Supermarkt. Dafür hält er ein Blatt Papier in einer Sichtmappe in der Hand. Ein Polizeiauto hält neben ihm, um ihn nach Hause zu schicken. Der ältere Herr ist uneinsichtig, deutet auf sein Blatt Papier, als handle es sich um eine Sondererlaubnis. Es kommt zum Wortgefecht, solange, bis der Polizist wütend aus dem Auto steigt, um den Spaziergänger mitzunehmen. Was danach geschieht, sehe ich nicht mehr.