Lektüre dieser Tage: “Enlightenment Now” von Stephen Pinker und “Christentum und Analytische Psychologie” von Gerhard Wehr. Zwei Bücher ohne Schnittmenge. Wehr wäre in den Augen Pinkers zu 100% “magical thinking”, selbstverständlich die Religion, aber auch die Jungsche Psychologie. Wehr hätte gegen Pinker im Grunde wenig einzuwenden, sähe in ihm aber einen Jünger des Materialismus, welcher die innere Welt ausblendet oder – wie Pinker es in “How the Mind Works” tatsächlich tut – als Nebenprodukte der Gehirnaktivität abtut. Mich mahnt Pinkers Optimismus-Pamphlet, das Baby Demokratie und Fortschritt, nicht mit dem Badewasser auszuschütten; ich habe aber doch Bedenken, die explosionsartige Verbesserung der menschlichen Lebensumstände seit der Aufklärung fortschrittsgläubig in die Zukunft zu projizieren. Vor allem die Zerstörung der Umwelt nimmt Pinker zu sehr auf die leichte Schulter. Beinahe deterministisch glaubt er, dass auf dem Pfad Aufklärung, Technologie und Markt, der wacker voranschreitende Mensch unweigerlich auf Lösungen für diese Probleme stossen wird. Ojalá, würde man in Spanien sagen.