Heute Morgen im “Faust” gelesen. Erstaunen darüber, wie freundschaftlich der Herr mit Mephisto umgeht. Über das hierarchische Verhältnis bestehen keine Zweifel. Im Umgang mit den Menschen aber lässt der Herr ihm freie Hand. So stellt er sich dem Faust vor:

“Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht, denn alles was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht.
Drum besser wär’s, dass nichts entstünde,
So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.”

Später begegne ich ihm im Altersheim. Die große Weihnachtskrippe dort, den halben Korridor versperrend und von einer großen Scheibe geschützt, ist recht ansehnlich. Ein Zettel verkündet, sie habe sogar einen Preis als schönste Altersheim-Krippe gewonnen. Hinter einer Öffnung unten in der Scheibe, liegt ein Schalter, daneben ein Schild, das verkündet, dieser diene dem Einschalten eines Tag-Nacht-Effektes. Ich betätige ihn. Ein Höllenlärm platzt in die stillen Gänge. Ich bin mir sicher, dass die Insassen, sofern sie noch hören, in ihren Zimmern aus dem Schlaf gerissen werden. Erst nach einiger Zeit stellt man fest, dass es sich um ein Weihnachtslied handelt, dass in Diskobeats niedrigsten Ranges gehüllt wurde. Sofort versucht man, dem grotesken Spektakel durch erneutes Betätigen des Schalters ein Ende zu setzten, doch dann erblickt man auf dem Schildchen die hämischen Worte: “Stellt selbst ab”. In dieses Krippenspiel ist er gekrochen, denn alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht.