An einem kühlen Tag sank die Boeing der American Airlines durch eine dicke, dunkle Wolkendecke. Ich landete wieder in Madrid. Mit der Frische ist es vorläufig aber vorbei: Diese Tage liefern uns einen Vorgeschmack auf die Sommerhitze. Allerdings soll es ab Donnerstag wieder kühler werden, sogar nochmals regnen.
Im Flugzeug sah ich zwei hervorragende Filme. Auf dem Hinflug “Green Book” und auf dem Rückflug “Vice”. Auch begann ich mit der Lektüre eines Buches, das ich in Phila erstanden hatte: “The Frolic of the Beasts” von Yukio Mishima. Zum Buch hingezogen hat mich der Klappentext und das Autorenfoto. “… a short novel about an affair gone wrong …” Das Foto zeigt Mishima, offenbar der bekannteste Schriftsteller der japanischen Nachkriegszeit, ein literarisches Genie, ein Patriot und Traditionalist, durch dessen Venen Samuraiblut floß, gekleidet in einen maßgeschneiderten westlichen Anzug vor einer Tokioter Skyline. Die Arme verschränkt, der Blick kriegerisch – man ist froh dem Samurai nicht als feindlicher Schwertkämpfer gegenüberzustehen. Mishima hatte 1970, mit fünfundvierzig Jahren, versucht, eine Gruppe von japanischen Offizieren, von der Kaiserlichen Armee zu den sogenannten “Selbstverteidigungsstreitkräften” umerzogen, zum Aufstand zu bewegen. Er wollte Japans Willen zur Macht wieder erwecken. Es existiert ein Video auf Youtube von dieser Rede. Das gelang ihm nicht, weshalb er noch am selben Tag Seppuku beging – rituellen Selbstmord. Ein Mann aus einer anderen Welt und anderen Zeit also, dessen Literatur aber der Dostojewskis verglichen wird.