Auf dem Heimweg geriet ich in die Frauendemonstration: “Manolo, Manolito, la cena tu solito!” Ein lustiger Slogan, eine Nachricht an die Väter und Großväter; die Ankündigung einer Kulturwende. Etwas zynisch meint C., dass die meisten der skandierenden Studentinnen in zehn Jahren auch einen Gilipollas geheiratet haben werden. Unrecht hat sie damit nicht. Auf der Straße in festlicher Atmosphäre “die Gesellschaft” zum Wandeln aufzufordern ist einfacher, und damit auch weniger wirksam, als die Sache vor der eigenen Haustür anzugehen. Trotzdem: Ich musste über den Slogan lachen, vor allem weil ich auch den einen oder anderen Manolo kenne.

Im Vorortszug lese ich “Afrikanische Spiele” von EJ. Ich habe die Biographie für die Lektüre dieser Erzählung unterbrochen. Eine Abenteuergeschichte aus den letzten Jahren vor dem großen Krieg. Träume und Symbole, aber auch scharfe Beobachtungen.

Als ich mich bei der Einfahrt in den Bahnhof “Vier Winde” erhebe, ein “gracias” an die Sitznachbarin, die mir Platz macht. “Bitte”, antwortet sie auf deutsch – sie hat mein Buch gesehen. Ein kurzes Gespräch entsteht. Eine unerwartete Begegnung: Spanierinnen in einem gewissen Alter, die fast akzentfrei deutsch sprechen, sieht man selten.

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