Am Sonntag YNH’s „21 Lessons for the 21st Century“ abgeschlossen. Die Quintessenz des Buches ist vielleicht die, dass wir trotz immer mehr und immer raffinierterer Technologie, und trotz einem wachsenden Datenberg und erleichtertem Zugang zu diesem, immer weniger wissen. Zumindest als Individuen. Die Menschheit als Ganzes und einige von der Menschheit entwickelten Organisationen und Systeme und Algorithmen, vermögen von diesem Datenzuwachs zu profitieren, als Individuen aber drohen wir uns im Datenlabyrinth zu verlieren.

Diese Situation schafft vor allem im Westen, dessen Länder sich in sogenannt freiheitlichen Demokratien organisieren, große Probleme. Das Dogma unserer Zeit und unserer Gesellschaft lautet, dass das Kollektiv der freien und gut informierten Menschen alle wichtigen Entscheidungen zu treffen hätten. Und zu treffen vermöchten. Heute ist die Welt aber so komplex geworden, dass das informierte Individuum zum Götzen geworden ist. Ein Götze, der einen natürlich nichtexistierenden Gott repräsentiert. Niemand versteht die Komplexität der Welt. Weder Stimmbürger und Wähler, noch Politiker und Regierungen. Dazu kommt, dass wir immer hackanfälliger werden. Algorithmen (zum Beispiel diejenigen sozialer Netzwerke) kennen uns oft besser als wir selbst. Sie liefern uns Information und machen uns glauben, dass wir etwas wüssten, steuern dabei aber einfach unsere Meinung in die Richtung, in der sie uns haben wollen. Natürlich geschieht dies zum Zweck des Geld- und Machtgewinns. Fazit: Die Welt ist zu schwierig um sie zu verstehen. Was sollen wir tun?

YNH schlägt die Selbstbetrachtung vor. Genauer gesagt, die genaue Beobachtung des eigenen Geistes. Als Mittel schlägt er das östliche Mittel der Meditation vor. Dem hinzu würde ich das westliche Mittel der Konzentration auf das Eigene fügen. Die christliche Aufforderung, das eigene Haus in Ordnung zu halten, ist zwar im Grundsatz eine ganz andere, als die buddhistische der Mindfulness, doch schlagen sie in die gleiche Kerbe. Anstatt auf die Welt, sollte man sich auf sich selbst konzentrieren. Dazu gehört die meditative Selbstbetrachtung wie die ganz praktische Aufforderung, auf den Balken im eigenen Auge zu achten, den ersten Stein nicht zu werfen, das eigene Haus sauber zu halten und schlussendlich eine leuchtende Stadt auf einem Hügel zu bauen. Die Welt mag zu komplex sein, um sie zu erfassen; dem Individuum bleibt als Aufgabe die Verbesserung der eigenen Rolle in der Welt. Hier kommt das östliche und das westliche zusammen.

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