Bálamo

Am Freitag im Bálamo zum Zweiten, dieses Mal mit Carol. Bilanz: ein toller Ort, um einen Abend mit Freunden zu verbringen, aber etwas zu laut und geschäftig für ein Essen zu zweit. In dem Falle wäre die Intimität eines kleineren Restaurants vorzuziehen. Die Küche ist gut, es gibt genügend Kellner, so viele, dass die Organisation fast militärisch aufgestellt ist, mit Bereichsleitern, die Befehlsgewalt über gewöhnliche Fußsoldaten haben, und freien Agenten, die durch die verschiedenen Bereiche patrouillieren, um nach Gästen Ausschau zu halten, deren Wünsche durch die Maschen der Netzte der regulären Truppen gegangen sind. Man kann also nicht sagen, das Personal sei nicht aufmerksam. Trotzdem ist der Service, obwohl gut geplant, noch nicht perfekt. Natürlich handelt es sich um Massenabfertigung, wenn auch in schöner Umgebung. Die Wand des Restaurants besteht aus einem riesigen vertikalen Garten, dem „größten Europas in einem Restaurant“, wie man uns mitteilt.

Wir bestellten: Camarónes, Chipirónes, Langostinos a la plancha und zwei Austern. Zum Dessert: Einen Schokoladenbrownie mit Glacé und Käsekuchen. Camarónes sind winzige, frittierte Krevetten, die man samt Schale, Kopf und Beinchen isst. Sie sind gut, aber einen ganzen Teller teilte man besser an einem größeren Tisch, da es einem zu zweit schnell zu viel wird. Die Chipirónes waren wunderbar. Es handelt sich dabei um kleine, grillierte Tintenfische (nicht die Arme, sondern nur der Rumpf). Langostinos sind Riesenkrevetten, die man, im Gegensatz zu den Camarónes, natürlich schält. Die Austern schmeckten, als öffnete man mitten im Meer den Mund. Das Dessert war gut, wenn auch nicht hervorragend – der Zucker tat auf alle Fälle seine Wirkung.

Das neue Restaurant hat in der Region südöstlich von Madrid in kürzester Zeit eine große Bekanntschaft erlangt. Jeder spricht davon; wer noch nie dort war, hat vor, es bald nachzuholen. Ganze Lastwagen voller Fische und Meeresfrüchte müssen hier wohl jeden Morgen abgeladen werden. Mag die spanische Politik konfus sein, die EU in einer Krise stecken, und unser Wirtschaftssystem vor Umbrüchen stehen, aber noch wird getafelt wie im alten Rom und zwar nicht nur am Hofe, sondern auch in der Agglomeration. Der nicht mehr ganz junge Mann am Nebentisch lässt für sich und seine Begleiterin nach zwei Stunden Abendessen noch eine Portion Pulpo auftragen, die sie dann aber nicht mehr anrühren. So demonstriert er auf dieser ersten (oder vielleicht schon zweiten) Verabredung, dass er sich eine gewisse Dekadenz durchaus leisten kann. Die Tafel und das Bild, das sich uns bietet, spricht von einer blühenden Zeit. (Aber natürlich ist es, so, dass mancher aus den umliegenden Blöcken, sich ein Essen im Bálamo nicht leisten kann. Doch das ist kaum zu sehen; Prekarität trägt man in Spanien nicht nach außen. Solche Situationen werden innerhalb der Familie geregelt. Es gibt Familien, in denen sämtliche Kinder und Enkel von der Pension des Großvaters leben.)

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