Marionetten

Gestern am Morgen nach Training, Lektüre (Manguel), Kaffee und Tagebuch ein paar Stunden lang gearbeitet. Dann fuhren wir in die Stadt, wo Peps seinen Brief an die drei Könige einwarf; nicht bei der von der spanischen Post extra dafür eingerichteten Anlage in den Neuen Ministerien – die Schlange davor war viel zu lang – sondern gegenüber auf der anderen Seite der Castellana, wo wir einen “magischen” gelben Briefkasten entdeckten. Dann auf den Treppen einer Skulptur vor der polytechnischen Universität sitzend mitgebrachte Sandwiches gegessen. Später an der Serrano im Le Pain Quotidien noch mehr gegessen – überteuert aber gut. Den Ausflug beschlossen wir mit einem Besuch im Zentrum Fernán Gómez am Kolumbusplatz. Bis Ende Woche wird dort noch eine Marionettenausstellung gezeigt. Die Welt des Zirkus und der Gaukler hat mich nie besonders interessiert, aber die Marionetten gefielen mir. In ihnen vereint sich das Kunsthandwerk und das Dramaturgische auf einmalige Art und Weise. Es waren kleine Figuren des klassischen Marionettentheaters zu sehen, aber auch übermenschliche Gestalten aus den siebziger und achtziger Jahren, welche, wie man sich vorstellte, einstmals wie Besucher aus einer anderen Welt durch die Straßen des seit Kurzem aus der Franco-Diktatur entlassenen Madrid zogen. Am Ende der Ausstellung standen Marionettenmaschinen: kleine, mechanisch angetriebene und von Ton und Musik unterlegte Szenen. Bewegte Bilder in 3D. Einblicke in Zauberwelten. So ein Baum im tiefen Wald, der mit seinen Ästen nach Kindern greift, die sich verlaufen haben. Die repetetiven mechanische Bewegen und das Ungeschliffene der am Werktisch entstandenen Puppen und Bühnen als Gegensatz zum Film, zum Videogame oder gar zur Virtual Reality. Virtuelle Welten werden dem Spieler sozusagen injiziert. Es ist nicht mehr die Andeutung einer Zauberwelt, die erst im Betrachter entsteht, sondern eben das Einpflanzen einer fertigen Sache. Der Dialog zwischen Geschichte und Zuschauer wird zum Zweck der Realitätserhöhung gekappt. So gesehen sind Marionetten Ruhepunkte in der Akzeleration. [Heute Mittag gehen Peps und Chuchi in ein Marionettentheater im Fernán Gómez.]

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