Kalte Tage. Am Morgen liegt oft Nebel über der Stadt. Dichter, langsamer Verkehr auf der Autobahn. Blade Runner Stimmung.

Lesen 2019. Aus dem Leseprojekt für das ausklingende Jahr ist nichts geworden. Ich habe gelesen, was mir in die Hände fiel und mich dabei, wenn überhaupt, nur zufällig an Lesevorsätze gehalten. Für dieses Jahr hatte ich bereits gewisse Lektüre-Richtlinien in Vorbereitung, nun aber den Entschluss getroffen, mich beim Lesen wieder von meinen Interessen und meiner Intuition leiten zu lassen. Eigentlich habe ich nur einen Vorsatz, nämlich den, in den nächsten Jahren die zentralen Schriften der Weltreligionen zu lesen. Pro Religion werde ich wohl ein Jahr dafür aufwenden müssen. Aus naheliegenden Gründen beginne ich mit der Bibel. Gewisse Bücher aus derselben habe ich schon oft gelesen (vor allem natürlich die Evangelien und die Tora). Doch an eine Gesamtlektüre von der Genesis bis zur Apokalypse, also von der Schaffung bis zur Zerstörung der Welt, habe ich mich noch nie gewagt. Dies also im kommenden Jahr. 2020 dann die hinduistische Bhagavad Gita, danach das Daodejing, also das Buch des Tao.

Diese Bücher sind wie Träume. Nicht Träume von Menschen, sondern Träume der Menschheit, oder zumindest von Völkern. (Carol hatte diese sehr zutreffende Ansicht vor einigen Tagen geäußert.) Die Tora und das restliche Alte Testament sind die übermittelten Träume des jüdischen Volkes – dem Volk Gottes, auch heute noch, denn so manches von globaler Bedeutung scheidet sich an den Nachfahren Abrahams. Ein Volk, das den Traum und den Alptraum kennt. Und so ist auch dessen heilige Schrift eine kollektive Traumwelt. Niemandem würde es in den Sinn kommen, anhand von Träumen Urteile über die materielle Beschaffenheit der Realität zu fällen; doch sind sie umso mehr zur Auseinandersetzung mit Bedeutungsfragen geeignet. Aber natürlich nur für diejenigen, welche dazu bereit und psychologisch fähig sind.

Die Wissenschaft steht zu diesen alten Geschichten genauso wenig in Konkurrenz, wie die beobachtete Realität die „Wahrheit“ von Träumen in Frage zu stellen vermöchte. Überhaupt hatte die Wissenschaft lange Zeit nur wenig zur Frage der Bedeutung beizutragen. Im Gegensatz dazu wurde die Aussagekraft der heiligen Schriften über das Materielle natürlich hoch überschätzt. Das begann sich mit Kopernikus zu ändern und wurde mit Darwin akut. Heute ist die Bedeutungsfrage anhand rein wissenschaftlicher Erkenntnis zwar nicht zu lösen, aber denkbar. Träume zieht nur noch zu Rate, wer diesen gegenüber empfänglich ist. – Für mich liefern weder Logik noch Träume endgültige Antworten. Überhaupt sind Fragen wichtiger als Antworten. Zumindest wenn es nicht um das Praktische, sondern um Bedeutung geht. Antworten auf Bedeutungsfragen – serviert sowohl vom Geistlichen als auch vom Wissenschaftler – riechen meist nach Dogmatismus und Fundamentalismus. Für Antworten auf das Materielle ist natürlich die Wissenschaft zuständig, wenn auch so fehlbar wie der Papst, zu ständigen Konzilen und Revisionen gezwungen, nie das Ende erreichend.

Comments

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.