Zeit des Übergangs

YNH ist nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch der wichtigsten Beobachter und Kommentatoren unserer Zeit des Übergangs. Er sieht, denkt und schreibt erstaunlich klar. (Liegt das an den zwei Stunden Meditation, die er täglich praktiziert?) Seine Bücher werden unsere Zeit nicht überleben, sind aber im Hier und Jetzt äußerst relevant. Vor allem sein neustes Buch: 21 Lessons for the 21st Century.

Unsere Zeit des Übergangs: Nicht einmal zwanzig Jahre, nachdem er den Kommunismus besiegt hat und das Ende der Geschichte verkündet wurde, steht der Liberalismus vor seinem Ende – oder zumindest vor Umbrüchen mit unabsehbaren Folgen. Seine Gegener sind die informations- und biotechnologischen Revolutionen und der drohende ökologische Kollaps. Viele Menschen spüren, dass das Schiff, auf dem sie ihr Leben verbringen, in rauere See gerät. Es ist Nacht, die Steuerungsinstrumente funktionieren nur noch beschränkt. Wir ahnen, dass Eisberge durch die Dunkelheit treiben. Manche haben sich in ihre Kabinen zurückgezogen träumen von der Rückkehr aufs Festland – in eine goldene Vergangenheit. Trump, Brexit und die neuen Rechtsparteien und -regierungen in Europa und anderswo (Türkei, Indien, Brasilien, etc.) sind die Träume von Seekranken. Für den hohen Seegang und ihr Unwohlsein machen sie die Globalisierung verantwortlich. Die Gegner dieser rückwärtsgewandten Träumer (nennen wir sie die anständigen Bürger – ihre Postillen sind der Spiegel oder der Guardian) glauben den bevorstehenden Untergang des Schiffes abwehren zu können. Würden wir nur die ganzen -Ismen und -Phobien ausrotten, die Hetzer über Bord werfen, Recyceln und Bioprodukte kaufen, träumen sie, würde die Kreuzfahrt noch lange weitergehen.

Aber weder der Blick zurück noch anständiges Verhalten und ideologische Säuberungen werden das alte Schiff seetüchtig halten: Vor uns liegt der Übergang vom Liberalismus zu etwas Anderem. Was dieses Andere ist, wissen wir noch nicht, ahnen aber, dass die Technologie dabei eine wichtige Rolle spielen wird. Technoutopie oder Technodystopie? Wohl eher etwas Dazwischenliegendes.

Bereits jetzt aber stellen wir fest, dass der Kapitalismus ohne mit den Augen zu zwinkern das Schiff zu wechseln bereit ist. Das neue Schiff, das noch nicht getauft ist, wird ein High-Tech-Schiff sein. Seinen Stapellauf hat es bereits hinter sich, aber der Kapitän auf der Brücke ist kein Politiker, sondern ein Kapitalist.

(Wer sind eigentlich die Literaten, die unsere Zeit des Übergangs beschreiben? Aus Deutschland kommt mir Ulrich Peltzer in den Sinn, dessen Bücher mir sehr gefallen, obwohl er aus der verstaubten Perspektive eines alten, deutschen Linken schreibt.)

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