Nation

Gestern Spaziergang zur J.V.-Metrostation. Dieses Jahr zum ersten Mal Weihnachtsbeleuchtung auch in den Quartieren, nicht nur an den Hauptstraßen, so bei uns an der Calle Saporo. Dann in Madrid die Fuencarral hinunter bis zum Círculo de Bellas Artes, wo ich einige Minuten verweilte, um mir die Auslagen der dortigen Buchhandlung anzuschauen.

Weiter im Krisentagebuch. Es ist auch ein Insiderbericht darüber, wie im Faschismus die menschlichen Loyalitäten sich auf Hochtouren um den Fokuspunkt Nation zu drehen begannen, immer schneller bis zur totalen Überdrehung und damit zum Zusammenbruch. Die meisten anderen Fokuspunkte sind heute noch akzeptabel, nur die Nation ist, zumindest in Europa, vor allem aber natürlich in Deutschland, ausgebrannt. Heute steht  selbstbewusst das Individuum im Zentrum des menschlichen Fokus, aber, da wir Stammeswesen sind, auch Anderes: so die Familie, das Unternehmen, die Stadt („ich fühle mich als Berliner“), sogar die Rasse (außer der europäischen) und die Religion. Und dem Individuum, das gar nichts mehr neben sich gelten lässt, bleibt zumindest noch die Menschheit, sprich die Weltgemeinschaft. Ganz tabu ist (zumindest bei den westlichen Eliten) nur die durch gemeinsame Sprache und Kultur definierte Nation. Auf ihr lastet das Gewicht der Geschichte.

Doch nun zeichnet sich die trotzige Rückkehr der Nation, also des Nationalismus, ab. In Ungarn, Österreich, Polen, in Katalonien (wo der Nationalismus aber als Freiheitskampf verkauft wird; Puigdemont nicht als Mussolini sondern als Mandela). Als Minderheitsfokuspunkt sogar in Deutschland; nun auch in Spanien. Dagegen gehen andere Stämme auf die Barikaden, von der Antifa bis zum anständigen Bürger. Was sind die unbewussten Triebe, die hier am Werk sind? Ich möchte den Text Freuds zum Ersten Weltkrieg lesen.

Anderes aus dem Krisentagebuch: Die Vielfalt der Autoren ist so groß, wie im Tierreich, wie bei Fischen und Vögeln; was zählt ist die Beherrschung der Arten ihres Elementes, also des Wassers, der Luft, der Sprache.

Und zum Schluss noch einen kurzen Vers des Bruders des Autors (Georg Friedrich):

Das Wissen, das ich erworben,
Ist dürrer Zunder,
Kommt, Flammen, und verzehrt, verschlingt
Den ganzen Plunder.

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