Tostado

Am Sonntagmorgen, noch im Bett liegend, höre ich den Regen leise und unregelmäßig an den Rollladen klopfen. Um Viertel vor acht stehe ich auf. Carolina und Paul schlafen noch. Ich habe das Gefühl, dass man in jeder Wohnung im ganzen Block noch schläft. Draußen ist es noch lange dunkel.

Ich sitze auf dem Lesesofa in der Stube und trinke den von gestern übriggebliebenen Kaffee. Jeder Kaffeeliebhaber würde wohl behaupten, Kaffee von gestern schmecke nicht, aber ich mag mit ein paar Tropfen Milch gemischten, in der Mikrowelle aufgewärmten Kaffee ebenso gut wie frisch gebrauten. Manchmal schmeckt der aufgewärmte sogar besser. Überhaupt finde ich Kaffee-Chauvinismus recht lächerlich. In einem St. Galler Kaffeehaus hat der Chef-Kaffeeröster mir sogar einmal weismachen wollen, dass man für jeden Kaffee nur Espressos verwenden dürfe und diesen dann für gewisse Kaffees mit heißem Wasser strecken müssen. Auch über Kaffeemühlen hatte er gesprochen, dass man für eine solche mindestens tausend Franken bezahlen müssen, ansonsten geschehe mit den Kaffeebohnen dies und das. Das ist natürlich alles Blödsinn.

Am liebsten mag ich den Kaffee in Frankreich und in Spanien. In Spanien vor allem den tostado, also den billigen, mit Zucker gerösteten Kaffee. Das hat man im Bürgerkrieg so gemacht, damit der wenige Kaffee, den man hatte besser schmeckte und nicht so dünnflüssig war. Noch heute wird der Kaffee mit Zucker geröstet. Vor allem älteren Spaniern schmeckt er so immer noch am besten. Mir auch. Einer der besten Kaffees in Las Rozas gibt es in der Cafeteria des Altersheims.

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