Kulturgut und Futuristisches

Auf der Fahrt in die Schule ein großer, wunderschöner Mond. Zuerst sahen wir ihn am schwarzen Nachthimmel; in Las Rozas dann stand er tief vor nun bereits dunkelblauem Hintergrund; er schwebte genau über einem Dorf am Horizont; davor lagen gelblich-grüne Felder.

Gestern und heute einige Gedanken zum Klassischen versus dem Futuristischen. Mit klassisch meine ich nicht den Klassizismus (also keine kunstgeschichtliche Epoche), sondern Kunst und Ideen, welche den Test der Zeit überstanden haben, also zu Kulturgut oder eben Klassikern geworden sind. Futuristisch nenne ich das Nachdenken über die Zukunft der Menschheit und der Welt.

Wir stehen heute in vielerlei Hinsicht an einem Wendepunkt. Trotzdem wird die heutige Welt vor allem von den herkömmlichen Medien noch als etwas beschrieben, dass für die Ewigkeit gebaut ist. Medien, Großunternehmen, Politiker (vor allem aber nicht nur der alten Parteien), aber auch etablierte Kulturschaffende und ganz allgemein die guten, biederen Bürger westlicher Länder: Sie alle glauben daran, dass wenn wir nur alle etwas netter miteinander wären, recycelten, alte Identitäten ablegten und uns einer Art Weltbürgertum annäherten, in welchem jeder jeden respektierte, alles gut werden (oder für uns wohl: bleiben) würde. Wir müssten die Demokratie bei uns stärken und in anderen Ländern fördern, so dass, entweder durch gut bezahlte Jobs oder das Sozialnetz der Staaten, wir das gesicherte Leben des Weltbürgers lebten, und als solche jeglichem radikalen Gedankengut abschwören würden. In diesem kapitalitisch-globalistischen Umfeld hat das wirkliche Nachdenken über die Zukunft natürlich keinen Platz. Vielleicht interessieren mich deshalb die Accelerationisten, mehr als herkömmliche Analysen.

Aber das sind natürlich nur gedankliche Ausflüge. Innenanalysen eines Abgesicherten. Es heißt also keinesfalls, dass ich mir den Zerfall des Bestehenden wünschen würde. Nein, ich bin kein Radikaler; vielmehr ein Konservativer. Das heißt, ich will erhalten, was funktioniert. Und noch funktioniert unsere Demokratie, noch ist der Nettobilanz der (zum Beispiel) Europäischen Union eine positive. Aber der Konsens ist dünn und lässt deshalb kein freies Debatieren zu. Der Populismus wird heute so lamentiert, weil er darauf hinweist, wie dünn die zivilisierende Schicht des gesellschaftlichen Konsenses geworden ist. Das einheitliche Denken muss mit allen Mitteln durchgesetzt werden, sonst bricht alles zusammen. Man redet sich deshalb immer wieder ein, dass nur soziale Not für diesen Populismus verantwortlich ist. Hier sind sich der CEO und der SJW einig.

Aber darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich wollte schreiben, dass mich einerseits das klassisches Kulturgut und andererseits futuristisches Denken, welches sich nicht um den Konsens schert, interessiert. Ich lese die Bücher der Alten, vorwiegend solche, die vor dem Ersten Weltkrieg geschrieben wurden; und ich lese obskure Blogs.

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