Buchkisten

Vorgestern wurden vier Buchkisten aus der Schweiz geliefert. Es sind einige Klassiker dabei, die ich in den letzten Jahren gekauft hatte, ansonsten aber vor allem, was ich als Student und zum Teil sogar noch als Kantischüler gelesen hatte. Meine Sammlungen von Ernest Hemingway, Paul Auster, TC Boyle, Leon de Winter, John Irving und Umberto Eco. Dazu ein paar Ausnahmebücher, von Autoren, deren Gesamtwerk mich nicht besonders anzog: Paul Theroux, Nagib Mahfuz, Scott F. Fitzgerald. Auch: Grahame Greene, Joseph Conrad und einige andere. Ich bin so glücklich, diese Bücher in meinem Arbeitszimmer zu haben, alle meine Bücher vereint zu haben, auch dass ich Bücher, die mir nie etwas gesagt hatten in die freie Wildbahn entlassen habe.

Gibt es heute noch Autoren, die ich so innige liebe, wie die oben genannten? – Ich liebe das Lesen auch heute, vielleicht noch mehr als damals, aber die Beziehung zu den Autoren ist eine andere. Zur Zeit lese ich Nizon (schon als Student las ich ein wenig Nizon, danach hatte ich ihn für Jahrzehnte vergessen), aber die Möglichkeiten, die sich mir vor meinem inneren Auge auftun, wenn ich zum Beispiel Nizon lese, sind nicht mehr dieselben wie noch damals. Das liegt natürlich auch am Alter, obwohl ich auch heute noch voller Illusionen bin. Vermutlich habe ich heute sogar mehr Pläne als damals, wo die Vorstellung Schriftsteller sein zu können, oft in meinem Kopf herumgeisterte, ohne dass sie mich aber zu konkreten Taten gedrängt hätte. Oder ohne dass ich gewusst hätte, was für konkrete Taten darauf folgen sollten. Heute ist das Autorsein etwas viel Konkreteres, nicht mehr hoch in den Lüften, sondern mit all seinen Freuden und Schwierigkeiten direkt vor mir liegend. Meine Illusionen sind nicht geschrumpft, zum Glück, aber sie sind konkreter geworden, und natürlich trage ich heute auch den Rucksack der Jahrzehnte des Suchens. – Ich habe aber, das Gefühl, dass mit der Vereinigung meiner Bibliothek – zum ersten Mal überhaupt – eine neue Etappe begonnen hat, als flößen die Bäche und Flüsse der Vergangenheit in den großen Strom, der von hieran unaufhaltsam dem Meer zufließt.

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