Hofflohmarkt

Gestern der letzte Tag in Berlin; heute geht’s zurück nach Madrid. Brunch im Café Lind, zum Abendessen Pizza in der Trattoria LuNa; den Tag dazwischen verbrachten wir auf dem Hofflohmarkt hier im Inselquartier. In vielen Innenhöfen verkauften die Bewohner, was sich so angestaut hatte. Carol kaufte einiges, Paul für 5 Cent ein kleines Spielzeug von einem anderen Buben; ich kaufte „Die Möglichkeit einer Insel“ von Houellebecq. Der Verkäufer schien wie ich auch ein Houllebecq-Fan zu sein (obwohl er dieses Buch verkaufte; vielleicht gehört er zu den Lesern, die für gelesene Bücher keine Verwendung mehr haben). Vorsichtig fragte er mich, ob ich „Unterwerfung“ gelesen haben, und was ich davon halte, ob es mir gefallen habe, oder ob es „zu weit ginge“. Das war eine typische Frage; ich hatte je hier bereits darüber geschrieben, dass man, wenn man über „Unterwerfung“ schreibt (oder spricht) ein Minenfeld betritt, so viel Verbotenes kommt darin vor. Ich sagte, ja, es habe mir gefallen, es “denke ein paar Dinge konsequent weiter“. Ich hatte das Gefühl, dass der Satz dem Verkäufer vielleicht ein wenig zu weit ging; er sprach von einem „Fantasieroman“.

Bevor ich „Insel“ aber in Angriff nehme, habe ich noch einiges anderes zu lesen: all die Bücher die ich in diesen vergangenen Wochen gekauft oder gefunden habe. In Berlin sind nämlich „Straßengeschenke“ üblich. Das heißt, man stellt, was man nicht mehr will in einer Kiste auf die Straße und schreibt vielleicht noch „zu verschenken“ dazu. So kam ich zu einem Stendhal, zu einem Buch über der Geschichte des zwölf Jahre dauernden tausendjährigen Reichs (1933 – 1945) und zu einer schönen, dreibändigen Goethe-Ausgabe. Zur Zeit lese ich „Widerfahrnis“ von Kirchhoff. Das Buch ist die Bestandsaufnahme von einem, der „noch ungefähr zwanzig Jahre zu leben hat“ und der nach Süden fährt, sozusagen gegen den Strom der Flüchtlinge und Migranten, die nach Norden streben.

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