Wannsee

Gleich zwei Mal am Wannsee. Man steigt in Schöneberg in die S-Bahn und ist in ungefähr einer halben Stunde am Stadtrand. „Berlin-Wannsee“ steht hier am Bahnhof noch in alter Fraktur-Schrift geschrieben. Überhaupt wähnt man sich, wenn man hier aus dem Zug tritt, nicht mehr in Berlin, sondern wieder in Deutschland.

Beim ersten Besuch nehmen wir den Bus 114 zur Liebermann-Villa. Das Sommerhaus ist nur durch einen großen, privaten Garten vom See getrennt ist. Max Liebermann war ein jüdisch-deutscher impressionistischer Maler und Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste. 1933 (er war 87 Jahre alt) – bei der Machtübernahme der Nazis – brach seine bisher so malerische Welt zusammen. Der Satz “Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte” ist von ihm überliefert; er sprach ihn als der Fackelzug der siegreichen Nazis an seinem Berliner Haus vorbeizog. 1938 starb er verbittert. 300 Meter von seiner Villa entfernt steht das Haus der Konferenz am Wannsee, in welchem vier Jahre später die „Endlösung“ beschlossen wurde.

Zur Zeit werden die Liebermann-Bilder in Kombination mit Werken von Paul Klee ausgestellt. Ein gemeinsames Sujet sind Gärten. Paul (meinem Paul, nicht Klee) gefallen die Bilder von Klee besser als die von Liebermann. Am Abend wollte er selbst ein Gartenbild malen, entschloss sich dann aber nach einigem Hin und Her doch lieber einen Zwerg zu Papier zu bringen.

Am Tag danach waren wir schon wieder am Wannsee. Wir nahmen die Fähre nach Kladow, einem noch zu Berlin gehörenden Dorf auf der anderen Seite des Sees. Dort begann gerade das Dorffest. Wir aßen Crêpes, Champignonpfanne und Kuchen. Im Hintergrund lief laut eine CD mit der Musik des örtlichen Männergesangsvereins Eintracht Kladow; sie sangen „Oh du schönes Kladow“. Berlin schien tausend Kilometer entfernt.

Am Samstagnachmittag waren wir wieder bei Mali und Oli in Friedrichshain, wo Paul und Jojo den ganzen Nachmittag lang spielten. Paul war ein wenig frustriert, dass er zwar Jojo verstand, Jojo aber mit seinem schweizerischem Deutsch oft Mühe hatte. „Papa hochdeutsch gefällt mir besser als schweizerdeutsch!“

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