Mauerpark

Am Samstag fuhren wir mit der S-Bahn bis zur Endhaltestelle in Wannsee und stiegen dort in den Bus 218, welcher durch den Rübezahlwald zur Fähranlegestelle fährt. Dort setzten wir zusammen mit vielen anderen Tagesausflüglern auf die Pfaueninsel über. Auf der Insel steht ein Schloss: Es handelte sich um die Sommerresidenz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. Für Paul war es die erste Fahrt auf einem Boot. Es hat ihm sehr gut gefallen.

Am Sonntagmorgen gingen wir auf dem Flohmarkt im Mauerpark. Wir nahmen die S-Bahn bis zum Nordbahnhof und fuhren dann mit der M10 der ehemaligen Mauer entlang Richtung Süden. Wie an vielen Orten in Berlin ist der ehemalige Mauerstreifen immer noch spürbar; er ist im offenen Raum zwischen dem Osten und dem Westen präsent; oder auch an den neueren Anlagen und Gebäuden erkennbar, die im ehemaligen Niemandsland entstanden sind. Hier, entlang der Tramlinie 10, ist dies offensichtlich, weil die Schienen der Mauergedenkstätte entlang verlaufen. Mancherorts steht die Mauer noch, aber größtenteils wird sie durch eine Reihe von Metallstäben repräsentiert. Hinter den Metallstäben liegt ein schmaler, langer Park, oder eher ein Grasstreifen. Auf diesem stehen Gedenktafeln, welche den Besuchern die immer weiter in die Ferne rückende Geschichte der Mauer näherbringen. Dahinter liegt Ostberlin; heute besteht es auch Wohnhäusern in bester Lage. Links der Tramlinie liegt der Mauerpark. Ich erinnere mich, im Jahre 2000 zum ersten Mal auf dem Grasshügel in diesem Park gesessen zu haben. Damals war ich im Nachtbus aus Amsterdam nach Berlin gekommen; das Zeitalter der Billigflüge hatte zwar schon begonnen, aber ich hatte mich doch für den Bus entschieden, nostalgischer Erinnerungen an lange Busfahrten in Indien wegen. Im Mauerpark erzählte mir jemand die Geschichte von einer Abtreibung. Ich hörte zu und wunderte mich über die weiten, offenen Räume in dieser großen Stadt.

Nun also fuhr ich mit Paul dahin, um den Sonntagsflohmarkt zu besuchen. Wir waren um zehn Uhr da; einige Stände waren noch im Aufbau begriffen. Es war noch recht kühl, an diesem Tag, der wieder heiß werden würde, und noch hielten die Menschenmassen, welche in einer Stunde durch die Wege zwischen den Ständen rollen würden, sich in Grenzen.

Später fuhren wir nach Friedrichshain um im belgisch-israelischen Haustrate/Ohana Haushalt zu Mittag zu essen. Es gab Couscous mit Gemüse, Poulet und Reise. Die Haustrate/Ohana-Kinder: Sie sprechen deutsch, französisch und hebräisch; wachsen in Berlin auf und verbringen die vier Schulferien (Frühling, Sommer, Herbst und Weihnachten) abwechslungsweise in Jerusalem und im Süden Belgiens, gemäß Oli, einer armen Gegend, wo früher alle vom Steinbruch lebten und heute industriemäßig nicht mehr viel los ist. Mali über die Wurzeln der Kinder: „Es ist mir wichtig zu wissen, woher sie kommen und was die Tradition ihrer Kultur ist“. Vor Jahren hatte mir Malis Vater erzählt, wie er als junger Mann mit dem Gewehr in der Hand in Jerusalem angekommen war; es waren die Anfänge des israelischen Staates. Oli über sein Heimatland: „Belgien ist eigentlich nichts, ein ehemaliges französisches Departement, dass durch einen Zufall der Geschichte zu einem Land geworden ist. Es bedeutet mir nichts.“ Es scheint, die israelischen Einflüsse sind stärker als die belgischen, aber im Grunde sind die Kinder natürlich deutsch.Nach dem Essen schleckten wir Glace und die Kinder spielten im Park. Irgendwann kam Paul ganz aufgeregt zu mir gerannt: „Papa, ein anderer Junge hat Rafa gesagt, er sei sehr klein und noch ein Kindergartenkind, aber Rafa und ich haben gegen ihn gekämpft und ihn vertrieben.“

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