Alt-Heiligensee

Um nach Alt-Heiligensee zu gelangen, fährt man mit der S-Bahn bis an den nordwestlichen Berliner Stadtrand. Beim Bahnhof Heiligensee steigt man auf einen Bus um. So gelangt man in dieses Örtchen, das in einer Bucht liegt, welche in die Havel hereinragt, die hier aber kein Fluss mehr ist, sondern sich bereits zum See erweitert hat. An ihrem Ende spitzt sich die kleine Bucht so sehr zu, dass sie nur noch aus einer Straße besteht, auf deren beiden Seiten Häuser mit Seeanstoß stehen. Auf der seinen Seite heißt er Havelsee, auf der anderen Heiligensee. Die meisten Häuser sind gut gebaut, schließlich befinden wir uns hier noch in Westberlin. Die Grenze zu Brandenburg verläuft mitten im See. Wo wohl die Mauer verlief? Vielleicht am anderen Seeufer? Das hätte den Ostdeutschen allerdings die Uferpromenade verunstaltet.

In Alt-Heiligensee gehen wir mit Oscar, Eva, Clara und David in ein Seebad, wo wir zu Mittag essen wollen. An der Kasse fragen wir, ob wir picknicken dürfen. Der Besitzer, ein Türke, sagt: „Aber nur wenn es Bio ist.“ Das sollte ein Witz sein, er glaubt in uns nämlich Berliner von der Sorte zu erkennen, die nur Bio essen. Dann bietet er uns an, einen Tisch und Bänke auf die Wiese zu stellen. „So kommen keine Ameisen. Normalerweise kostet das, aber heute ist es gratis, da nur wenige Besucher hier sind.“ Er will wohl, dass wir sein Seebad in innenstädtischen Berliner Kreisen bekannt machen. Tatsächlich sind nicht viele Besucher hier. Vielleicht liegt es am Wetter: Es ist bewölkt und nur etwas über 20 Grad warm.

Das Seebad besteht aus einer Kneipe, einem Bootshafen und einer Wiese. Auf der anderen Seite des Sees ragte das Schilf aus dem Wasser. Dahinter stehen Büsche und Bäume und noch weiter hinten Einfamilienhäuser. Am Bootshafen steht bei jeder Anlegestelle eine Solarzelle auf einer Stange. Wir fragen uns weshalb. Ob es sich wohl um Elektroboote handelt? Am Rande des Seebades stehen fixe Wohnwagen und kleine Hütten. Es handelt sich um winzige Ferienhäuschen. Jedes hat ein kleines Stück Rasen und man merkt, dass die Besitzer Freude an ihren kleinen Ferienanwesen haben. Ein Pensionär mäht den Rasen, der direkt an die Wiese des Seebades anstößt. Obwohl nur ein paar Quadratmeter am Rande der Liegewiese ihm gehören und die Gäste zwei Badetücher von seiner Gartentür entfernt liegen, bewegt er sich wie ein stolzer Hausbesitzer. Es gibt hier auch einen kleinen Sandstrand, auf dem ein paar ältere Paare liegen, als befänden sie sich in Spanien. (Überhaupt ist mir aufgefallen, dass der Sand in dieser Gegend allgegenwärtig ist. Die fruchtbare Erdschicht ist in Berlin-Brandenburg nur sehr dünn. Wenige Zentimeter unter dem Boden beginnt der Sand. In den nach der langen Dürre ausgetrockneten Parks Berlins, kommt überall er zum Vorschein. Auch manche Wald- und Wiesenwege bestehen aus Sand.)

Nach dem Essen gehen die Kinder an den See, wo sie von einer kleinen Rutsche direkt ins Wasser platschen. Auf einer Tafel steht, man solle den Kopf über Wasser halten. Ich frage mich weshalb. Vielleicht wegen der kleinen Fische, die herumschwimmen und versuchen, auf dem Wasser vergeblich um ihr Leben kämpfende Wespen zu fressen?

Später sitzen wir in der Kneipe des Seebades und die Kinder spielen verstecken. Sie sind glücklich. Manchmal verstecken sie sich in den Gärten der Ferienhäuschenbesitzer, wo sie von diesen wieder vertrieben werden. „Das ist privat hier“, sagen sie, ihre zehn Quadratmeter Eigentum verteidigend. Im Doppeldecker zurück nach Tegel sitzen die Kinder natürlich wieder oben und ganz vorne und johlen jedes Mal, wenn der Ast eines am Straßenrand stehenden Baumes an die Scheibe schlägt. Wenn sie etwas interessantes sehen, zum Beispiel ein tief fliegendes Flugzeug im Landanflug auf Tegel oder ein schnelles Motorrad, rufen sie: „Ala, que guay!

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