Fragen

Im Co-Working-Büro gabs irgendein Problem, weshalb ich erst nach zwanzig-minütiger Verspätung eingelassen wurde. Da fängt ja schön an, dachte ich, aber die Rezeptionistin, welche mit roten Kopf und außer Atem endlich auftauchte, versicherte mir, so etwas komme eigentlich nie vor. Man schob, wie bei einem Flugzeugunfall, menschliches Versagen in Kombination mit einem ungewöhnlichen technischen Problem vor.

Nach der Arbeit fuhr ich zum Boxhagener Platz wo Carolina und Paul den Tag mit Mali, Oli und den Kindern (Yoyo, Rafa und Tamara) verbrachten. Mali und Oli (noch ohne Kinder) waren vor zehn Jahren unsere Nachbarn gewesen und wohnen immer noch in derselben Wohnung in Friedrichshain, der letzten Wohnung mit geschützter „Altmiete” im Gebäude, wo unterdessen jede andere Wohnung weit über tausend Euro kostet. In Berlin, vor allem in Quartieren wie Friedrichshain, ist alles teuer geworden, außer eben die schon seit Jahren und Jahrzehnten von denselben Mietern belegten Wohnungen. Die Vermieterin unserer August-Wohnung zum Beispiel sagt, sie werde nie im Leben umziehen können (außer natürlich, sie würde Berlin verlassen). – Hätten alle Berliner vor zehn oder zwanzig Jahren für wenig Geld eine Wohnung gekauft, würden sie nun mietfrei wohnen. Auch Mali meinte, dass ihr Bruder sie vor zehn Jahren zum Kauf einer Wohnung an der schönen Knorrpromenade gedrängt hätte (Wohnungen ehemaliger Mietarbeiter der Knorrfabrik). Sie kostete damals 90’000 Euro und ist heute mindestens fünf Mal mehr wert.

Paul, Yoyo, Rafa und eine wilder Sechsjähriger namens Diego spielten Fußball. Paul bring Schweizer- und Hochdeutsch noch etwas durcheinander, weshalb ihn die anderen Kinder nicht immer verstanden, was aber dem enthusiastischen Spiel keinen Abbruch tat. Diego foulte ihn und er fiel auf den Asphalt, stand aber gleich wieder auf, ohne seine üblichen, langwierigen Inspektionen, ob irgendwo Blut zu sehen sei.

Carol traf dann ihre Freundinnen aus Madrid und Paul und ich fuhren zurück zum Südkreuz. Dabei stiegen wir in eine falsche S-Bahn und als wir ausstiegen, um zurückzufahren, hatte ein Zug gerade einen technischen Schaden und blockierte den Bahnhof und den Rückweg. Beim langen Warten auf die Behebung des Problems, sahen wir, wie ein junger Mann ganz in unserer Nähe seinen Rucksack auf den Boden warf und sich auf einen anderen jungen Mann stürzte. Die Fäuste begannen zu fliegen. Eine junge Frau schrie, jemand ging dazwischen, wie das bei Schlägereien halt so üblich ist. Wir entfernten uns, aber natürlich war Paul von der Sache fasziniert. Überhaupt erregen Jungs und junge Männer, welche Verbotenes tun, seine Aufmerksamkeit. So gefallen ihm zum Beispiel sich gefährlich durch den Verkehr schlängelnde Skateboardfahrer, wilde Velofahrer ohne Helm, oder junge Afrikaner, die in der U-Bahn so laut Musik hören, dass der ganze Wagen bebt. Auch „arme Menschen” die betteln, interessieren ihn. „Warum arbeiten sie nicht?” – „Weil sie keinen lieben Eltern hatten und es nie gelernt haben.” – „Warum hatten sie keine lieben Eltern?” Usw. Manchmal ist es schwierig, all diese Fragen zu beantworten.

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