Polaroid

Am Samstag bleibt es kühl.

Auf dem Dach eines Gebäudes neben dem Bahnhof Südkreuz stehen zwei Windräder zur Stromproduktion; auch Solarzellen soll es dort geben. Weshalb eigentlich stehen nicht auf allen Dächern Windräder? Weshalb werden in Spanien nicht sämtliche Klimaanlagen von Solarzellen betrieben?

Am Markt am Boxhagener Platz: Wir essen Thüringer Rostbratwurst im Brötchen. Es handelt sich um eine weißes, weiches Brötchen und die lange, schmale Bratwurst ragt auf beiden Seiten weit heraus; zum Dessert gibt’s italienischen Kuchen: Schockobrownie und Stracciatella, und dann von einem anderen Stand noch einen Zwetschgenkuchen; zum Abschluss kaufen wir Pflaumen und Äpfel. Der Mann am Früchtestand fragte mich, ob ich Österreicher sei. Schließlich gehen wir in ein Café, welches sich in einem Gebäude befindet, wo wir einmal gewohnt hatten. Wir sehen unseren alten Balkon im Innenhof.

Fahrt nach Westberlin. Wir stehen vor dem Fotomuseum, entscheiden uns dann aber für das Amerikahaus, wo Polaroids von Wim Wenders ausgestellt sind. Die Bilder sind von wenig Interesse, sie könnten von irgendjemandem stammen. Der Wert der Ausstellung liegt in ihrer Einbettung im Werke Wenders: sie entstanden vor Jahrzehnten, als er zum ersten Mal in den USA war, als er Alice in den Städten drehte, etc. Außerdem gibt es einen Audioguide auf dem der Filmemacher selbst spricht; es ist, als zeige einem ein berühmter Freund ein paar alte Bilder.

Es gibt zwei Arten von Künstlern: solche die sich nur ihrer Kunst widmen (und vielleicht zähneknirschend ein wenig arbeiten, um sich das Nötigste zu kaufen; Armut nimmt man in Kauf – sie ist der Preis der Freiheit); die zweite Art von Künstlern geht einer geregelten Tätigkeit nach um in ihrer Freizeit sorgenlos Kunst machen: auch sie sind frei, da sie nämlich mit ihrer Kunst kein Geld verdienen müssen – in einem gewissen Sinne sind sie freier als die „armen“ Künstler. Wim Wenders ist Künstler der ersten Sorte. Arm ist er natürlich nicht. Wäre ich ein Künstler, wäre ich natürlich einer der zweiten Art.

Später in einem Biergarten im Tiergarten. Ein schöner Park. Carolina sagt, er sei eine Mischung aus Retiro und Casa de Campo [Madrid], wobei sie recht hat. Zufällig feiert dort das helvetische Leichtathletikteam seine Europameisterschaftsmedaillengewinner. Paul und ich klatschen, schließlich sind wir keine Österreicher.

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