Berlin, 26. Mai 2017

Ich habe beschlossen, mich an einen Großen heranzuwagen: Friedrich Nietzsche. Immer wieder stößt man auf ihn – nicht so sehr in meinem Alltag, dazu fehlt mir der entsprechende Umgang, aber lesend. Man hat den Eindruck, jeder literarische Autor kenne seinen Nietzsche in und auswendig. Man liebt ihn oder wettert gegen ihn – fast könnte man sagen, beides gehört zum guten Ton: Nietzsche zu verehren, wie auch ihn zu verabscheuen, oder vor allem, seine Jünger unter den Zeitgenossen zu verabscheuen (da sie zu sehr zum Klischee geworden sind – allerdings übersieht man dabei, dass auch gegen ein Klischee zu sein zu einem Klischee werden kann).

Nun, all das überrascht mich doch sehr, denn ich habe im Kulturkaufhaus Dussmann mehr als eine Stunde lang Nietzsches Gesammelte Werke durchgeblättert, um zu entscheiden, mich welchem Band ich beginnen soll und beim ziellosen Lesen in den vielen Büchern festgestellt, dass ich fast gar nichts verstehe. Ohne besondere philosophische Vorbildung, tritt man an Nietzsche heran wie an einen unbezwingbaren Berg – und wohl auch mit entsprechender Vorbildung, auch wenn mancher so tut, als sei Nietzsche sei ein Touristenhügel samt Seilbahn und voller ausgetrampelter Pfade. Seine Sätze versteht man sehr wohl, aber weil man den Autoren (noch) nicht (richtig) kennt, ergeben sie keinen Sinn.

Ich habe mir schließlich Jenseits von Gut und Böse gekauft (die dtv Studienausgabe) und am Donnerstagabend darin zu lesen begonnen. Von Anfang an hat mich der Text fasziniert, aber nur weil ich ihn so zu lesen begann, wie jemand der ohne Vorkenntnisse Entomologie zu betreiben beginnt, und sich an jedem Käfer freut, den er auf der Wiese findet, ohne von sich zu erwarten, gleichen einen Aufsatz zur Ameisengesellschaft schreiben zu müssen.

Trotz all dem wissenden Gerede über Nietzsche, muss man sich langsam an ihn heranwagen und für sich selbst entdecken, wie eine Wiese voller Insekten eben, oder ein fremdes Land. Obwohl ganz für sich selbst macht die Reise auch keinen Sinn. Begleitliteratur muss sein, aber bitte nicht im Sinne eines Reiseführers (cause everybody hates a tourist, wie Pulp sang). Ich habe mich für Rüdiger Safranskis Nietzsche – Biographie seines Denkens entschieden.

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