‘Der Schnitt durch die Sonne’ von Dietmar Dath

Der Schnitt durch die Sonne.jpg

I like the idea of science fiction. Trotzdem lese ich keine Science Fiction (Ausnahme: J.G. Ballard; als Kind: Assimov). Weshalb eigentlich? Vermutlich weil mich science (und Philosophie usw.) in der Form von non-fiction mehr interessiert, und fiction vor allem im Sinne von ‘Literatur’. Genre-Literatur lässt mich relativ kalt. Außer jetzt eben Science Fiction. Dieses Jahr beginne ich damit und zwar gleich mit dem ersten Buch des Jahres: Dietmar Daths ‚Der Schnitt durch die Sonne’. Ich hatte diesen Roman im vergangenen Sommer in Berlin spontan gekauft, noch bevor ich mir vorgenommen hatte, mehr SF zu lesen.

Was für ein merkwürdiges Buch. Vermutlich ist mein Gehirn einfach noch nicht an SF gewöhnt. Es ist ein neuer Geschmack, ein neues Land. Ich fühle mich wie Weltreisender vergangener Zeiten, vor der Erfindung der Luftfahrt und vor der Globalisierung. Ich habe Mühe, das Gelesene einzuordnen. Werden da ein paar Deutsche tatsächlich von Sonnenwesen entführt um ihnen zu helfen, ein Problem der Sonnenzivilisation zu lösen? Was für ein Problem? Ich verstehen, dass es um eine Messias-Figur (das Koronakind) geht, und um Kommunikation (das Koronakind hat eine Sprache erfunden). Die Sonne will mit anderen Sonnen kommunizieren und die Menschen sollen dabei helfen, den “die Menschen sind die Fingerchen der Sonne”. Implizit wird die Frage gestellt, wozu die Menschheit fähig ist, wie es weitergehen soll. Im Kollektiv (und nur so) können wir uns den großen Fragen, dem Unbekannten stellen. (Wie viele SF-Autoren ist auch Dath Anhänger von vom Mainstream abweichenden politischen Ideen; er ist Kommunist, ein Anhänger Lenins sogar – man vermutet mehr als interessantes aber folgenloses Gedankenexperiment, denn aus echter Revolutionslust).

Das Buch ist voller kleiner Abhandlungen (vorwiegend mathematischen, inklusive entsprechender Diagramme), realistischer Figuren, guten Dialogen und abstrakten Bildern, welche ebenso gut auf der Leinwand eines surrealistischen Malers hätten entstehen können. Das alles erinnert mich an einen David Lynch Film: man ist fasziniert von der Bildgewalt, angelt sich von Szene zu Szene, beeindruckt, gebannt sogar, mit vor Unverständnis weit offenen Augen und versucht (meist vergeblich) das große Ganze hinter dem Gesamtbild zu erkennen. Insofern geht es einem wie den Figuren des Romans: Man ahnt und spekuliert ohne wirklich zu verstehen.

Ja, das Buch hat mich fasziniert, obwohl ich nach 100 Seiten kurz vor der Kapitulation stand. Trotzdem gab es da etwas, dass mich weiterlesen ließ. Die Angst davor war, die aufgestoßene Tür zum SF-Universum wieder zufallen zu lassen, bevor ich richtig hineingeguckt hatte, aber nicht nur das. Ich hatte Lust darauf, mich in diesem philosophischen Gemälde zu verlieren.

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