‘Das Zimmer’ von Jonas Karlsson

Ich habe mir ‘Das Zimmer’ auf Weihnachten gewünscht, weil ich auf einem Bücherblog (welchem weiß ich nicht mehr) darüber gelesen habe. Als Letztes setzte ich es noch auf meine Wunschliste, welche ansonsten aus erfolgreichen deutschen Romanen des auslaufenden Jahres bestand. Es war das einzige Buch in Übersetzung und das einzige von der Liste, das ich dann tatsächlich geschenkt erhielt.

Auf dem Klappentext wird ‘Das Zimmer’ mit Beckett in Verbindung gebracht. Ein Beamter, welcher neu zu einer nicht näher definierten schwedischen Behörde stößt und dort seinen Arbeitsplatz im Großraumbüro einnimmt, entdeckt im Gang zwischen Lift und WC ein geheimnisvolles Zimmer, welches nur ihm zugänglich ist und in welches er sich oft zurückzieht. Diese Ausgangslage erinnert auch an Murakami und Kafka, oder an Filme wie ‘Stalker’ und  ‘The Matrix’. Das Zimmer ist eine Art Zone, und der Raum, in welchem die Geschichte spielt, sieht aus wie das Büro, in dem Neo vor dem Schlucken der roten Pille arbeitete. Wie Neo hat Björn, der Held des ‘Zimmers’ Zugang zu einer anderen, seinen Mitarbeitern unzugänglichen Welt. Auch Björn wird gerufen, nicht von Rebellen im digitalen Untergrund, sondern von einer für alle anderen unsichtbaren Tür in der Wand. Dahinter eben das Zimmer. Eigentlich ein gewöhnlicher, fensterloser Büroraum. Dort findet Björn Ruhe und Sicherheit. Ein bisher unbekanntes Gefühl nimmt von ihm Besitz, dass auch der Autor kaum beschreibt, das aber an einen Zustand tiefer Meditation erinnert. Oder an den Grund eines Brunnens in einem Murakami-Roman. Aufgrund der Ruhe, welche Björn im Zimmer findet, wird er bald zum gefragten Berichteschreiber auf dem Amt, der Direktor und sogar der Minister werden auf ihn aufmerksam. Das schafft Konfusion und schlechtes Blut auf dem Amt, zumal das Zimmer für die Kollegen nicht existiert – sie sehen die Tür in der Wand schlichtweg nicht. Die Lage spitzt sich allmählich zu, bis dem Helden nur noch ein einziger Ausweg bleibt.

Worüber schreibt der Autor? Über das Großraumbüro, den Alltagstrott, der aus Arbeit und ein wenig Tratsch besteh? (Aus nicht allzu schwerer Arbeit im Lande Schweden.) Handelt es vom Verlust oder gar Verbot des Mystischen in der aufgeklärtesten aller Gesellschaften? Wer weiß. Es ist ein kurzes Buch. Ich habe es schnell gelesen, an einem Morgen und einem Abend. Viel wird nicht bleiben, aber es hat mir trotzdem etwas gegeben, etwas, das ich nicht genau definieren kann, ebenso wenig wie der Text das Zimmer definiert.

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