Elias Canetti 2

Erst wenige Seiten habe ich von ihm gelesen, aber bereits steht mir der Sinn nach mehr. Wie Kafka einer der großen deutschen Schriftsteller, der kein Deutscher war (und auch nicht Österreicher oder Schweizer). Canetti: Bulgarien, Wien (er sprach mit einem angenehmen österreichischen Akzent), Zürich (dort ging er an die Kanti), London, wieder Zürich, wo er seine letzten Jahre verbrachte. Ein einziger Roman, ein philosophisches Werk, mehrbändige Jugenderinnerungen. “Und wenn du nichts mehr tätest, als dein Leben niederzuschreiben, dein ganzes Leben so hättest du es wenigstens verdichtet.” Das war 1974, der Autor war 69 Jahre alt. Drei Jahre später erschien der erste Teil seiner Autobiographie, ‘Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend’, welche ich mit etwas Glück nächstes Jahr lesen werde. Canetti war ein ein Vollblutschriftsteller, was heißt, dass er sich nichts anderem als dem Schreiben gewidmet hatte und die damit verbundene relative Armut stoisch ertrug. Cormac McCarthy oder Paul Nizon kommen mir in den Sinn. Auf dem Einband meines ersten Canetti-Buches sitzt er vor einer Tasse Kaffee, in Wien, stellt man sich vor. Er raucht, die Zigarette steckt in einer Spitze. Er mag vierzig oder fünfzig gewesen sein, sein volles Haar ist noch ganz braun. Er trägt Jackett, Krawatte und ein weißes Hemd.

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