El Loco

Heute Morgen beim Frühstück in Heron City. C. erzählte uns die Kurzversion seiner Lebensgeschichte. Er kommt aus einem Dorf bei Salamanca, wo sie ihn El Loco, den Verrückten, nannten, wie er nicht ohne stolz bemerkte. Tatsächlich liegt in seinen intensiv starrenden Augen ein Hauch von locura, aber ich mag ihn, er ist ein Suchender. Er studierte Bellas Artes und stieg dabei schnell zu einer Art Starstudent auf, wurde dann Künstler, vor allem Bildhauer, und Universitätsprofessor. Irgendwann wurde ihm der Kunstbetrieb zu viel. Auf dem Flug nach Amsterdam an eine Ausstellung, vielleicht seiner ersten internationalen, kam er sich plötzlich mehr wie ein Geschäftsmann als wie ein Künstler vor, begann zu befürchten, dass Kunst, vor allem teure, in Galerien gehandelte Kunst, auf deren Schiene er selbst geraten war, die Mächtigen zu tragen helfe. Er gab alles auf, beschloss das eigene Leben zum Kunstwerk zu machen und baute zehn Jahre lang von eigener Hand in Villaviciosa ein Haus. Daran zerbrach seine erste Ehe. „Am Anfang wohnten wir im Haus noch ohne Fenster“, sagte C. „Und deine Frau hat dich wirklich verlassen?“, witzelte ich. Alle lachten, etwas gequält sogar C. Tatsächlich aber erinnerte mich das mit dem Hausbau an David Lynch oder Cormac McCarthy, was ihn mir noch ein wenig sympathischer machte. Nach dem Hausbau fiel C. dem apokalyptische Denken anheim. Vier Pfeiler würden zusammenbrechen, erzählte er uns: Die Wirtschaft, das Klima, die Ernährungsindustrie und die Ressourcenindustrie, vor allem das Öl (Stichwort Peak Oil). Er wurde zu einem ‚Prepper’, wie man in den USA Menschen nennt, die sich auf das Überleben nach dem Zusammenbruch der Zivilisation vorbereiten. Fünf Jahre lang suchte er zusammen mit anderen Familien eine Finca auf dem Land, wo sie sich einrichten wollten, um auf das Ende der Welt zu warten. Die Gruppe fiel schließlich auseinander. Unterdessen hat C. mit der Hilfe einer Heilerin gelernt, dass sein Projekt aus der Angst hinaus geboren wurde und somit zum Scheitern verurteilt war. Er wird das Projekt wieder aufgreifen, aber von einer positiven Plattform ausgehend, „von der Liebe ausgehend“, wie er meinte. Soviel also zu C. Ein farbiger Charakter, mit dunklen Flecken.

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