Madrid, 1. November 2017

Allerheiligen. In Madrid wird nicht gearbeitet. Viele Familien besuchen den Almudena-Friedhof, mit fünf Millionen Gräbern der größte Europas und einer der größten der Welt. Hier werden die Grabsteine nicht wie bei uns nach einigen Jahrzehnten wieder entfernt; sie stehen auf alle Ewigkeiten oder zumindest solange bis die Mauren wieder in Madrid einfallen werden. Wie man immer noch Platz für neue Tote findet, ist mir ein Rätsel. Meine Schwiegereltern haben ihre letzte Ruhestätte auf alle Fälle schon seit Jahren reserviert und bezahlen auch regelmäßig die Quoten ihrer Beerdigungsversicherung, so dass den Töchtern, wenn einmal die letzte Glocke schlägt, keine Kosten anfallen werden.

Gestern Abend Halloween, ein ‚Fest’, das auch hier unterdessen bekannter ist als Todos Santos. Auf dem Weg in die Akademie begegnete ich den Partygängern. Es handelt sich um mit Plastiktüten bewaffnete Jugendliche. In diesen transportierten sie den Alkoholproviant, üblicherweise bestehend aus einer großen Flasche Coca Cola, einer Flasche billigen, hochprozentigen Alkohols, meist Rum oder Whisky, Eiswürfeln und Plastikbechern. Sie sind unterwegs zu Parks und Plätzen, um sich dort vor der Halloween-Party einzutrinken. Man sieht drei Typen von Halloween-Verkleidungen: die Minimalisten, die Konformisten und die Kreativen. Die Minimalisten sind in der Überzahl. Sie kaufen sich schnell etwas beim Chinesen an der Ecke (Eck- und Trödelläden heißen hier ‚Chinos’). Man will es nicht glauben, aber die alte Guy-Fawkes-Maske ist tatsächlich immer noch sehr beliebt. Die Konformisten geben sich etwas mehr Mühe. Sie ziehen sich schwarz an und bemalen ihre Gesichter, sehen aber alle sehr ähnlich aus. Am beliebtesten unter den Konformisten ist die ‚schöne Hexe’ – Mädchen also, die sich als Hexe verkleiden, aber eben immer als schöne Hexe mit roten Lippen und schwarzen Fingernägeln. Warzen sieht man selten. In der Minderheit sind die Kreativen, welche sich eine originelle Verkleidung zusammengebastelt haben. Sie gehen im Meer der Guy-Fawkes-Masken und der schönen Hexen unter. Trotz dieser Mischung aus schwarz-weißen Verkleidungen, glaube ich aber auch festgestellt zu haben, dass Halloween an Boden verliert. Nicht wenige Jugendliche verzichten ganz auf die Verkleidung und geben sich nur durch die Alkohol-Plastiktüten als festwillig zu erkennen.

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