Madrid, 30. Oktober 2017

Am Sonntagmorgen wartete ich vor dem Kiosk, bis es um acht Uhr öffnete, kaufte ‚El Mundo’ und nahm dann die Metro nach Batán. Die erste ‚Bar’, die ich dort fand, war noch geschlossen; hinter den Scheiben der zweiten jedoch regte sich Leben. Ich trat ein und wurde sogleich umhüllt vom Geschwätz der Gäste, welches sich mit dem regelmäßigen Ausklopfen des Kaffeesatzes, dem Rattern der Kaffeemaschine und natürlich dem überlauten Fernseher vermischte. Unter den Gästen befanden sich Fußballzeitungen lesend Renter aus dem Quartier, heimkehrende Nachtschwärmer und Taxifahrer. Ich setzte mich mit meinem Cortado auf der wegen der Morgenkühle menschenleeren Terrasse an die Sonne und las die Zeitung. Es war ruhig, die Straßen leer, der Himmel blau. Ein typischer Sonntagmorgen in Madrid.

Nachdem ich die Tasse zurück zur Theke gebracht und den Kaffee bezahlt hatte, ging ich hoch nach Lucero. Das alte Quartier auf dem Hügel, dass mir vor einigen Tagen noch ärmlich und deprimierend vorgekommen war, erschien mir nun sauber und sogar beschaulich. Ein alter Wirt goss die Blumen an den Fenstern seines Lokals, ansonsten regte sich nichts. Ich setzte mich an einem kleinen runden Platz auf eine Bank unter Bäumen und wartete, bis die Akademie öffnete. Vor mir lag ein kleines, zweistöckiges Haus. Vor einem Fenster hing die Wäsche zum Trocknen. Ich befand mich in einem kleinen, spanischen Dorf, welches vor langer Zeit von der großen Stadt geschluckt worden war.

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