Madrid, 23. Oktober 2017

Wieder habe ich ein neues Tagebuch entdeckt. Noch halte ich es nicht in der Hand, habe aber eine Leseprobe bei Rowohlt heruntergeladen und es sieht ganz interessant aus: Die Tagebücher von Martin Walser. Bisher habe ich viel Paul Nizon und Ernst Jünger gelesen, zwei große Tagebuchführer (obwohl ‘Tagebuch’ eigentlich nur für Jünger ein treffender Ausdruck ist, nicht für den stream-of-consciousness Schreiber Nizon). Ich besitze seit langem auch die Tagebücher von Max Frisch, habe diese aber noch nicht gelesen. Überhaupt zieht Frisch mich (im Gegensatz zu Dürrenmatt) nie an. Wenn Beatles oder Stones (ganz klar Beatles) und Star Wars oder Star Trek (natürlich Star Trek) globale Fragen sind, so ist Frisch oder Dürrenmatt vielleicht ein helvetische (wie gesagt: Dürrenmatt). Vielleicht lese ich auch Walsers Tagebücher einmal. Im Gegensatz zu Frisch, der seine Tagebücher wie ein literarisches Projekt angelegt hat (durchgeblättert habe ich sie natürlich), sehen diejenigen von Walser eher wie eine literarische Vorstufe aus (aus den Tagebüchern entstehen die Bücher). Nizon ist der große Warmschreiber. Jünger der metaphysische Weltversteher.

Mein Tagbuch (Blog) beginnt langsam Form anzunehmen, oder zumindest meine Absichten mit dem Blog, den dieser selbst hat eigentlich noch keine Form, ist eben genau das: eine Formsuche, ein Experiment also. Die Frage ist, was in den Blog gehört und was nicht. Was ist uninteressant? Was ist allzu privat? Was zu riskant? Das entscheide ich jeden Tag neu und genau deshalb ist der Blog eine Formsuche. Zur Zeit ist der Modus Operandi der folgende: Ich schreibe in die Notizbücher, in meine Offline-Tagebuch-oder direkt in den Blog. Falls ich nicht in direkt in den Blog schreibe, übertrage ich, was ich veröffentlichen will, später in den Blog. Was ich für den Blog verwende wird im Offline-Tagebuch gelöscht. Was aus dem Notizbuch nicht in den Blog übertragen wird, kommt, falls ich es für einigermaßen erinnerungswürdig halte, ins Offline-Tagebuch. Einiges wird also in den Notizbüchern hängen bleiben (nicht lesenswert), der Rest ist entweder auf dem Blog, oder falls zu privat oder zu riskant oder zu selbstbezogen etc. im Offline-Tagebuch, welches ich deshalb ‘Private Ergänzungen zum Blog’, oder kurz ‘Ergänzungen’ nenne. – War das jetzt uninteressant? Vermutlich schon, aber nicht für mich.

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