Madrid, 5. Oktober 2017

Dieser Tage ergreift jeder in Partei in Spanien. Auch wer es nicht zu tun glaubt, hat Partei ergriffen. Dazu gehören die Draußenbleiber: Damit habe ich nichts zu tun, sollen sie doch tun was sie wollen. Mit solchen Aussagen, gibt man einfach zu verstehen, dass man von den öffentlichen Angelegenheiten nicht viel hält, den Staat als immer zahlenden Vater betrachtet, über dessen Geschäfte man aber die Nase rümpft.

Die zum Dialog auffordernden Stimmen fehlen gänzlich; nicht einmal der König, glaubt noch an das Gespräch. Natürlich spricht die Linke um Pablo Iglesias vom Dialog, tut es aber aus einer kalkulierten Position der totalen Opposition heraus und ohne je einen Vorschlag für die Zukunft Kataloniens auf den Tisch gelegt zu haben. (Die Lage in Katalonien spielt für die neue spanische Linke nur insofern eine Rolle, wie sie zum Sturz der kapitalistischen Machtverhältnisse beitragen könnte.)

Der Ausruf „Dialog!“ bleibt ein leeres Schlagwort, denn niemand versteht die innere Logik der Situation und ohne ein solches Verständnis ist ein Ausweg nicht einmal theoretisch denkbar.

Gibt es Probleme ohne innere Logik, für die keine Lösung existiert? Die Hälfte der katalanischen Bevölkerung, will unabhängig sein, die andere Hälfte will es nicht. Dieser Wunsch nach Unabhängigkeit (oder nach dem Verbleiben im spanischen Staate) basiert aber nicht auf realen sozialen und wirtschaftlichen (also logischen) Verhältnissen, sondern hängt von der psychologische Präferenz jedes Einzelnen ab. Wir haben es mit dem Innenleben von Millionen von Katalanen zu tun, weshalb die innere Logik der Situation im großen Ganzen nur schwer greifbar ist.

Ein vom spanischen Staat organisiertes Referendum in Katalonien, welches das innere Befinden der Bürger in geordnete Bahnen zwingt, bleibt deshalb die einzige Lösung, auch wenn sie psychologisch für Spanien nur schwer zu ertragen ist, da man die katalanische Regierung als Putschisten sieht, als Kriminelle also, von denen man sich auf keinen Fall erpressen lassen darf. Dieser spanische Gesichtsverlust muss aber hingenommen werden. Vielleicht würde es helfen, die Kenntnisse des spanischen Bürgerkriegs aufzufrischen, oder auch die jüngste Geschichte Jugoslawiens zu studieren.

1 thought on “Madrid, 5. Oktober 2017”

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