Madrid, 29. September 2016

Die Bibliothek ist heute wegen der Fiestas des lokalen Heilligen (Miguel) geschlossen. Ich bin im VIPs. Gemütlich das zeitweilige Rauschen und Brausen des milchaufschäumenden Dampesröhrchens der Kaffeemaschine.

Dieses Wochenende findet das Referendum in Katalonien nicht statt. Ich werde auf Online- und Fernsehnachrichten verzichten und am Montag in einer Papierzeitung nachlesen, ob es der Polizei gelungen ist, die öffentliche Ordnung einigermaßen zu waren. Interessante Beobachtung: Im Quartier haben einige Nachbarn spanische Fahnen aus dem Fenster gehängt. Im Verhältnis gesehen sind es allerdings nur wenige, die hier solch flotte Kriegsstimmung verbreiten.

Ich höre mir, wenn ich Zeit habe, die auf iTunes zugänglichen Vorlesungen von Dr. Jordan Peterson an. Sie sind hervorragend. Peterson ist ein Jünger Jungs (wie ich), und Nietzsches. Ein Apostel wieder den Postmodernismus. Was für ein Glück, das mir so etwas einfach zugänglich ist. Segen der Technologie. Undenkbar noch vor kurzer Zeit, als ich selbst Student war. Der Titel der ersten Vorlesung, die ich mir gerade zum zweiten Mal anhöre (es lohnt sich, zwei Mal hinzuhören; beim ersten Mal erkundet man die Topographie der vorgetragenen Thesen, beim zweiten Mal kennt man dieselbe und hat Muse, auf die Details zu achten) lautet ‘Reality and the Sacred’. Es geht um das Leben des Menschen im nie ganz erfassbaren System Welt (der Realität), mit dem es zu interagieren gilt, und das Absolute, welches diese Welt trägt. Die Entscheidung zu leben, als ob das Absolute dem eigenen Leben in der Welt eine Bedeutung verliehe, und die Akzeptanz der ständigen Gefahr des Chaos. Im Grunde geht es um die Entscheidung zu handeln, als ob das Leben einen Sinn hätte, auch wenn man nicht ausschließen kann, dass so einer nicht existiert. Die Menschen leben oft unter der zweiten Prämisse, auch wenn sie sich nicht bewusst dazu entschlossen haben. Unbewusster Nihilismus sozusagen. Der Leser merkt: Noch suche ich mir einen Weg durch das Denken des Dr. Peterson. Langsam kommt man vorwärts, vor allem wenn man nur auf Autofahrten Zeit zum Hinhören hat.

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