Madrid, 27. September 2017

Früh aufgestanden, trainiert. Dann, um halb sieben, die beiden geweckt. Frühstück und so weiter. Eine Stunde später zum Auto gegangen, ich zu Fuß, P. auf dem Fahrrad. Die Fahrt zur Schule ist gemütlich. Noch ist es dunkel draußen. Sehr viel Verkehr, manchmal stehen wir still, aber das macht mir nicht aus. Beinahe fühlt man sich als Teil einer Volkswanderung die gemeinsam gegen Norden zieht.

Das Waldstück (typische iberische Pinien) neben der Schule ist schön. Gestern bin ich dort gelaufen. Dann Kaffee neben der Bibliothek in Las Matas. Dazu das erste Kapitel von Thomas Manns Erzählung Tonio Kröger gelesen. Sofort bin ich gefesselt; Tonio (Antonio, wegen seiner spanischen Mutter) ist anders. Ein musischer Mensch, aber keiner, der sich der Welt als Warrior und Waldgänger stellt, sondern einer, der, zumindest mit seinen vierzehn Jahren, noch unter ihr leidet.

Auf der Fahrt in die Bibliothek habe ich den jungen Führer der neuen spanischen Linken, Pablo Iglesias, im Radio gehört. Er verlangt ein richtiges Referendum in Katalonien, geplant von Gobierno und Generalitat. Das ist wohl die einzige Lösung die bleibt, doch ist sie gefährlich, mit Signalwirkung für andere Regionen sowohl in Spanien, als auch in Europa. Wer sonst noch sähe sich ermuntert, der eigenen Existenz durch den Anschluss an eine Unabhängigkeitsbewegungen und den damit verbundenen Adrenalinschub durch Massenhypnose ein wenig Sinn zu verleihen?

Aber was soll man tun? Politik ist die Kunst des Kompromisses, diesen aber hat die spanische Regierung verpasst, und jetzt, durch die Intervention der Guardia Civil in Katalonien (welche übrigens in Andalusien mit Fahnen und „Viva España“ rufen verabschiedet wurde, als zöge sie in den Krieg) reißt sie die noch verbleibenden Brücken ein. Doch nochmals: Was wären die Alternativen? Das Gesetz ist das einzige, was zwischen uns und dem Chaos steht.

Trotzdem: Ist der Sonntag einmal überlebt, hat der Staub sich gelegt, wird verhandelt werden müssen. Lange, harte Verhandlungen um eine neue Art der katalanischen Integration in den spanischen Staat.

Und noch vier Punkte, um dem Selbst im Ringen mit dem Gewicht der Welt zum Sieg zu verhelfen:

  1. Täglich Dank sagen
  2. Der politische Waldgang
  3. Verzicht auf Schnell-Information, sprich Internet-News und TV-Nachrichten
  4. Xenofilia: Gesteigertes Interesse an anderen Kulturen

 

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