Berlin, 27. August 2017

 

Heute Besuch im Deutschen Historischen Museum. Pepis war natürlich auch mit von der Partie, weshalb ich den größten Teil der Zeit damit verbrachte, Waffen, Porträts dicker Generäle und Bilder kriegerischer Auseinandersetzungen einem Vierjährigen zu erklären. Das Bild einer Schlacht zu Pferde aus dem Dreißigjährigen Krieg fasziniert ihn besonders. Ein paar Männer liegen darnieder, auch ein Pferd. Einer der Kämpfer reitet davon. Ein Fahnenflüchtiger? Oder hat er eine dringende Botschaft für die Kriegsherren hinter der Front? Pepis hält ihn für einen gescheiten Mann, im Gegensatz zu den Gefallenen und den Kämpfenden. Auch ich stelle in mir ein besonderes Interesse für die Gegenstände aus dem Dreißigjährigen Krieg fest. Das liegt vielleicht daran, dass dieser zwar aus der kollektiven Erinnerung verschwunden ist, sich aber immer noch als dunkle Ahnung im Unterbewusstsein hält. Er liegt damit zwischen der jüngeren Geschichte und dem längst Vergangenen. Der Holocaust oder die amerikanische Sklavenzeit zum Beispiel sind noch sehr präsent – sie ragen kalt und hart in unsere Zeit hinein; die Pest oder gar die Christenverfolgungen aber sind längst Geschichte. Gegenstände aus dem Dreißigjährigen Krieg: Totenköpfe, ein tanzender Teufel, die nackte Venus, welche einen Kriegsgott verzweifelt zur Räson zu bringen versucht.

Nach einem Sandwich und einem Kaffee ging’s dann in die Ausstellung über die Weimarer Republik und was danach folgte. Bei der Bücherverbrennung wurde es für Pepis zu viel. Er ging mit seiner Mama in den sogenannten Lustgarten, während ich, schneller als mir lieb war, noch bis zum Kriegsausbruch vordrang. Die Weimarer Republik und die ersten Nazijahre faszinieren ebenfalls. Man will sich ins Dorf zurückziehen und alles aus der Distanz beobachten, fühlt sich aber von den Menschenaufläufen doch immer wieder angezogen. Ich sah einen Ausschnitt von Triumph des Willens (ich werde mir den Film auf Youtube anschauen). Darauf folgt ein weiterer Ausschnitt vom Jud Süß. Spätestens hier beginnt klar zu werden, dass der Triumph des Willens übers Ufer läuft und außer Kontrolle zu geraten droht. Das Museum betritt jeder mit dem Vorwissen des Spätergeborenen. Denjenigen die aber damals mitten im Strom der Geschichte steckten, fehlte dieses Wissen. Berauscht und mit drehendem Kopf trieben sie dahin. Nur wenigen vermochten einen kühlen Kopf zu bewahren. Den Plakaten und Pamphleten nach zu urteilen, vor allem voran die Sozialdemokraten. Aber auch sie wurden wie alle anderen in wenigen Jahren zum verstummen gebracht und gleichgeschaltet. Wie das geschehen konnte, bleibt mir trotz aller Bücher ein Rätsel.

Später bei einem ausgezeichneten Inder im Sprengelkiez. Auch hier beginnt das neue Berlin sich einzunisten, aber nur ganz zaghaft. Am U-Bahnhof Leopoldplatz befehenden sich zwei Gruppen von Taugenichtsen. Ein Geschrei und Getue. Nur weg hier, zurück in einen zivilisierten Stadtteil.

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

w

Connecting to %s