Goethes Tao / Nolans Dunkirk

Beim Kaffee in der Goethe-Biographie gelesen. In seiner Jugend hatte der Dichterfürst leicht gelebt. Alles fiel ihm leicht, das Dichten und alles was zum Leben gehört. Aber Goethe zeichnete sich eben auch dadurch aus, dass er sich nicht auf seinem außergewöhnlichen Talent ausruhte. Mit dreißig begann er sich über die Leichtigkeit seines bisherigen Lebens zu ärgern. Nicht dass er bis dahin vor schwierigen Aufgaben zurückgeschreckt wäre: Bewusst war er zum engsten Berater des Herzogs von Weimar geworden, hatte mit Diplomatie und Kriegen zu tun – und war dabei vielleicht zum ersten Mal überhaupt in Bereiche vorgedrungen, in denen ihm die Sachen nicht mehr leicht fielen. Trotzdem nahm er sich vor, sein Leben zu ändern. Weniger Leichtigkeit und Selbstgefälligkeit war sein Wunsch. Reinheit nannte er das. Mit dreißig, kurz vor seiner zweiten Schweiz-Reise, schrieb er in seinem Tagebuch darüber. Seine Erkenntnisse sind erstaunlich modern – sie könnten von Jocko Willink oder Ryan Holiday oder Tim Ferriss stammen.

Er räumt auf: „Zuhause aufgeräumt meine Papiere durchgesehen und alle alten Schalen verbrannt.“

Sein bisheriges Leben kommt ihm im Rückblick zu unstet und eben zu leicht, damit aber auch unklar und verworren vor: „Stiller Rückblick aufs Leben und die Verworrenheit, Betriebsamkeit, Wißbegierde der Jugend, wie sie überall herumschweift um etwas befriedigends zu finden.“

Nichts, so scheint ihm, hat er richtig in die Hand genommen; er hatte an sich und dem Seinen zu sehr Gefallen gefunden: „Wie ich alles Wissenschaftliche nur halb angegriffen und bald wieder habe fallen lassen, wie eine Art von demütiger Selbstgefalligkeit durch alles geht was ich damals schrieb.“

Er entdeckte das Tao und was man heute The Power of Now nennen würde: „Wer tätig sein will und muss hat nur das Gehörige des Augen Blicks zu bedenken und so kommt er ohne Weitläufigkeit aus.“

Er folgert: „Lasse uns von Morgen zum Abend das gehörige tun und gebe uns klare Begriffe von den Folgen der Dinge.“

*

Gestern wieder einmal im Kino. Dunkirk von Christopher Nolan. Manche sehen in Nolan Kubricks Nachfolger. Ich würde so weit noch nicht gehen – Kubrick bleibt unerreicht. Nolan arbeitet zwar mit der Präzision eines Kubrick, geht aber eher in den Fußstapfen Spielbergs, traut dem Publikum aber mehr zu, als dieser.

Dunkirk ist ein Aufbruch. Ein Aufbruch für Nolan, aber auch für den Kriegsfilm. Nolan hatte sich vor allem in seinen letzten zwei Filmen, aber auch in Memento und seinem Erstling Following durch umwerfend verwirrende Handlungsstränge einen Namen gemacht. Er hat es geschafft aus Blockbustern philosophische Erkundungen in die menschliche Natur und das Wesen der Realität (und vor allem das Wesen der Zeit) zu schmieden. Im Zweiter-Weltkriegs-Film Dunkirk aber, seinem Werk über die Evakuierung der britischen Armee aus Dünkirchen, der Britischen Seele zum Mythos geworden (obwohl diese Seele heute nur noch zerstückelt besteht), erzählt er eine visuelle Geschichte, welche ganz ohne die komplizierten Plots früherer Films auskommt. Dunkirk würde man auch ohne die wenigen Dialoge verstehen würde – und tatsächlich war das Gesprochene im bombastischen Score und Sounddesign kaum verständlich. Der Film ist ganz auf das direkte Erleben des Krieges ausgerichtet; man wird als Zuschauer zum Soldaten oder zum Spitfire-Piloten oder zum heldenhaften Vater, der mit seinem Buben im Familienboot wie tausende andere über den Kanal schifft, um sich an der Evakuierung von Our Boys zu beteiligen. Der Zuschauer ist so sehr Teilnehmer, wie es kein 3D-Film auch nur annähernd hinkriegt. Man steckt mitten drin im Zweiten Weltkrieg. Noch nie gab es so einen Kriegsfilm. Man muss den Film im Kino sehen. Im Fernsehkasten wird er seine Wirkung nicht tun.

Einiges ist also von Nolan noch zu erwarten. Noch ist er nicht der Nachfolger Kubricks, aber er ist auf dem Weg dahin.

One thought on “Goethes Tao / Nolans Dunkirk”

  1. Sie wirklich tatsächlich machen es scheint einfach mit Ihrem zusammen mit Ihrer Präsentation zu finden Angelegenheit zu sein wirklich Ich glaube, ich würde Ich würde nie keineswegs zu verstehen. Es Art fühlt kompliziert und extrem breit riesigen für mich. Ich bin einen Blick in Ihre nachfolgenden mitteln , Ich werde versuchen, Versuch, erhalten die klammern davon!

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s