Paradise Hold II

Der gestrige Abend demjenigen vor einer Woche vergleichbar. Dieses Mal in unserer Freibadanlage. Wir waren schon am Morgen an der Sonne und im Wasser (das Thermometer indizierte milde dreißig Grad; eine nette Nachbarin meinte, diese Temperaturen seien sogar für mich, ein Bleichgesicht aus dem kalten Norden also, aber das blieb unausgesprochen, erträglich) und entschieden uns dann, nach Mittagessen, Siesta, längerem Hin und Her und aufs Eis gelegten Plänen für einen Besuch im Botanischen Garten, nochmals hinunter zu gehen. Kurz vor acht breiteten wir unsere Badetücher zum zweiten Mal aus. Es war gerade noch Zeit für ein Bad. Dann Sandwiches (auch Sandwiche und gar Sandwichs würde der Duden zulassen) und Melone. Ein paar Stunden lang sitzen wir mit Freunden am Tisch inmitten anderer Tische – an den meisten wird ebenfalls gespeist oder gar geschlemmt (falls wir wirklich in einer Art Endzeit leben, zeichnet sie sich durch ein Überflussangebot an Nahrung aus); man trinkt Bier und Tinto de Verano (gespritzter Rotwein); an einer großen Tafelrunde wird gefeiert: ein Mann mittleren Alters, der sich offenbar unglaublich vieler Freunde erfreut, erhält, unter vielem Anderen, Boxhandschuhe und eine graue Kapuzenjacke, wie Rocky sie getragen hatte. Offenbar hocherfreut zieht er beides sofort an und luftboxt unter dem Gejohle seiner vielen Freunde. Er macht dabei gar keinen schlechten Eindruck. Trotzdem befürchtet man angesichts seines runden Wanstes, der auch unter der weiten Kapuzenjacke nicht zu verstecken ist, dass die Trainingsabsichten, von denen er vielleicht schon seit längerem gesprochen hatte, an seinem Vierzigsten werde er, so hört man ihn behaupten, dem Fressen und allabendlichen Seriengucken ein Ende setzten!; dass eben diese guten Vorsätze, schwant einem, wohl bald wieder vergessen sein und die Boxhandschuhe in irgendeiner Schachtel landen werden. Doch wer weiß.

P. ist im Paradies. Die ganze Anlage ist ein Abenteuerland: Dutzende von in Gruppen herumziehenden Kindern, Wasserballone und dazu ein Glacé. Spät in der Nacht betrachten wir in der Dunkelheit des Fußballplatzes hinter der Anlage die wenigen sichtbaren Sterne: Sie sind so weit weg, dass nicht einmal die Apollo-Rakete es dorthin schaffen würde. Das beeindruckt ihn. Wir spekulieren, wer dort, auf den mutmaßlichen Planeten eines besonders hellen Sterns, wohl wohnen könnte. Er tippt auf entweder Pocoyo oder einen Alien.

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