Madrid, 18. Juli 2017

Gegen Mitte Juli beginnt die Stadt sich immer mehr auszudünnen. Wenig Verkehr am Morgen auf den Straßen. Nur an den Freitagen, wenn eine weitere Welle von Beamten und Angestellten und Precarios (dem Untersatz der spanischen gig economy) in den Urlaub entlassen wird, sind die Ausfallstraßen ab dem frühen Nachmittag verstopft. Die meisten Spanier fahren in der Ferienzeit, aus gutem Grund, immer noch lieber in ihre Dörfer und an ihre Strände als zum Flughafen.

Auf der Terrasse von La Torre ist fast jeder Tisch besetzt. Man trinkt Milchkaffees aus dem Glas und isst dazu Churros, Porras und getoastes Brot mit Tomatensauce und Olivenöl. Ich bin einer der wenigen, der drinnen an der Theke seinen Cortado trinkt. Ich mag es im Sommer drinnen – hier kann ich in Ruhe lesen. Vor mir liegt Siebzig Verweht, dass ich seit ungefähr einem Jahr in kleinen Abschnitten lese. Fast bin ich mit dem ersten von fünf Bänden, welcher mit den Worten “das biblische Alter ist erreicht” begann, fertig. 600 Seiten. Noch liegen die Bände II bis V vor mir – mit 101 Jahren hatte Jünger seinen letzten Eintrag geschrieben. (Was bedeutet es, wenn man von den Jüngerschen Tagebüchern so fasziniert ist wie ich? Jonas Lüscher macht in Kraft seine rechtsintellektuelle und neoliberale aber trotzdem schwächlich an der Akkzeleration der Zeit scheiternde Hauptfigur, Prof. Dr. Richard Kraft, zum Jünger-Leser. Kraft versucht sogar, eine Frau mit den Marmorklippen zu beeindrucken – natürlich erfolglos.)

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