Weltenbauer, Menschensezierer, Thematiker, Introspektive

Ein Sonntag. Nach Gartenarbeit im Kindergarten, dem zufälligen Beiwohnen einer vom hiesigen andalusischen Verein im namenlosen Park zwischen Calle Institutos (an der aber, soviel ich weiß, kein instituto (also kein Gymnasium) mehr liegt, sondern die Schule für Kinder ukrainischer Einwanderer) und der Calle Industrias veranstalteten romería (also einem Gottesdienst inklusive Bier und Picknick im Freien), lese ich nun, es ist jetzt Abend und die das Land im Griff habende Sommerhitze wird von einem angenehmen Wind etwas gelindert, Kraft von Jonas Lüscher. Ich hatte das Buch am Samstagmittag, nach vier an einer Konferenz verbrachten Arbeitstagen, auf dem Heimweg gekauft. Es scheint um den Neoliberalismus zu gehen. Es gefällt mir sehr gut.

Die Frage, was Literatur sein kann, was mir gefällt und was nicht so sehr, anhand einiger zeit- und eidgenössischer Autoren. Ich teile ganz grob ein in Weltenbauer, Menschensezierer und Thematiker:

Weltenbauer: Charles Lewinsky, Rolf Lappert, Alex Capus. Im Zentrum ihrer Bücher stehen Geschichten; oft spielen sie über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg. Sie bringen uns nicht nur Menschen näher sondern auch deren genau recherchierten Welten.

Menschensezierer: Peter Stamm, Peter Bichsel, Markus Werner. Eher kurze Bücher. Ausschnitte aus dem Leben von Menschen, oft eines Menschen. Wir begleiten den Menschen, lernen die Welt in der er sich bewegt, nur so weit wie nötig kennen.

Thematiker: Jonas Lüscher, Lukas Bärfus. Weder der Mensch noch die Welt steht im Vordergrund, sondern das Thema. Oft Essays in Form eines Romans.

Das sind natürlich keine festen Begriffe, es gibt Schnittmengen und die aufgeführten Autoren würden sich dieses Schubladisieren bestimmt verbieten; aber wie gesagt, es geht mir um die Auslotung des eigenen literarischen Interesses, nicht um die erwähnten Autoren.

Als Leser gefallen mir die Bücher der Weltenbauer nur ausnahmsweise – Gottfried Keller, die Russen, überhaupt die Klassiker, aber zeitgenössische, weltenbauende Bücher ziehen mich nur selten an. Zu dick, zu lang. Jonathan Franzens Freedom war vielleicht das letzte dicke Buch, das mich so richtig mitgerissen hat. Dabei handelt es sich aber, so glaube ich, um einen zukünftigen Klassiker. Ich liebe in dritter Linie Menschensezierer, in zweiter Linie Thematiker und in erster Linie Bücher die beides auf relativ wenigen Seiten verbinden.

Dann gibt es natürlich noch die Introspektiven – vielleicht sind das die Autoren die ich in allererster Linie mag. W.G. Sebald wäre ein Beispiel aus der deutschen Literatur; Robert Walser vielleicht der klassische Schweizer Introspektive. Wer sind die zeitgenössischen deutschen oder deutschsprachigen Autoren aus dieser Kategorie?

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