Madrid, 9. Juni 2017

Was ist seit dem letzten Blogeintrag vor einem Monat geschehen? – Ich bin auf dem Camino de Santiago gewandert, 130km in fünf Tagen von Castrojeriz nach León. Ich habe einige Bücher gelesen – siehe für einen entsprechenden Überblick diese Rubrik. Ich habe mein Studium der Data Science wieder aufgenommen, meist am Abend, ungefähr eine Stunde kriege ich jeweils noch hin, bevor die Worte auf dem Bildschirm zu Buchstaben werden und ihren Sinn zu verlieren beginnen. Merkwürdigerweise bin ich fähig, mich dem Studium eines für mich noch recht fremdem Fachs auch dann noch zu widmen, wenn ich zur Lektüre schon viel zu müde bin.

Seit meiner Rückkehr aus León hat die Routine wieder begonnen: train, write, work, study. In den nächsten Wochen werde ich drei medizinische Konferenzen besuchen, was ein eher unwillkommener Routinebruch bedeuten wird, doch freue ich mich auf wiedersehen mit gewissen Kollegen.

Heute Morgen las ich im La Torre Jünger anstatt Jung. Ich lese die beiden Bücher gleichzeitig. Jünger schreibt in Der Arbeiter: „Unerschütterlich, stets wirksamer aus dem Chaos hervortretend, bleibt allein die Gestalt des Arbeiters.“

Damit meint er – so verstehe ich es – nicht den Arbeiter im Sinne des Fabrikarbeiters, der Arbeiterklasse, sondern den modernen Menschen, welcher von den Umwandlungen der Welt dank seiner Einbettung in die neoliberale Weltordnung unbetroffen bleibt. Natürlich bestand diese neoliberale Ordnung noch nicht, als Jünger 1932 den Arbeiter schrieb, doch er ist als Allegorie zu verstehen, die auch heute noch zum Verständnis der Verhältnisse beiträgt. Damals wie heute standen große Umbrüche bevor. Um das Bild des Arbeiters also auf die heutige Zeit anzuwenden, könnte man vom white-collar worker sprechen: Der Mensch in den Städten, der gestern vielleicht sogar Corbyn gewählt hat, den die Politik, so glaubt er, könne ihm nichts anhaben.

Nun, am Abend, die Wirkung des Kaffees im La Torre hat längst nachgelassen, steht der fast volle Mond am Himmel. Ich bin zu müde um im Arbeiter weiterzulesen. Vielleicht mag ich noch ein wenig studieren.

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