Homo Deus – Yuval Noah Harari

Yuval Noah Harari stellt ganz am Ende seines umwerfenden Buches Homo Deus drei Thesen auf:

Erstens. Ein gegenwärtig unter Wissenschaftlern allgemein akzeptiertes Dogma lautet, dass Organismen nichts anderes als “Computer” sind, welche Algorithmen biologisch prozessieren, und dass das Leben demzufolge ein Datenverarbeitungsprozess ist. Zur Frage, weshalb diese biologischen Datenverarbeitungsmaschinen, die wir Menschen sind, ein Bewusstsein entwickelt haben, gibt es Thesen, aber noch keine standhafte wissenschaftliche Theorie.

Zweitens. Künstliche Intelligenz steckt noch in den Kinderschuhen, aber bereits heute sind Intelligenz und Bewusstsein nicht mehr aneinander gebunden. Das bewusstlose Computerprogramm Deep Blue hat Garry Kasparow bereits 1996 in einer Schachpartie geschlagen. Natürlich ist Deep Blue damit nur als Schachspieler intelligenter als Kasparow – beim Schuhbinden oder Eierschälen hätte er gegen den Schachgroßmeister keine Chance. Trotzdem ist der Trend klar: In nicht allzu langer Zeit werden Algorithmen in jeder Hinsicht intelligenter sein als Menschen – ohne bewusst zu sein. Oder vielleicht werden sie eben doch bewusst sein, aber auf eine Art und Weise, die wir nicht verstehen. Dazu kann die Wissenschaft noch keine Aussage machen (und wird es vielleicht auch nie können), da wir noch nicht einmal unser eigenes Bewusstsein verstehen.

Drittens. Als Folge der obigen Trends, werden uns unbewusste Algorithmen bald einmal besser verstehen, als wir uns selbst verstehen. Es ist bereits heute so, dass ein Computerprogramm, welches wir mit genügend Daten über uns selbst füttern würden (also z.B. Facebook), an der Urne eher in unserem Sinne abstimmen würde, als wir selbst es zu tun im Stande sind. Mit der zunehmenden Vernetzung aller Dinge (im wahrsten Sinne des Wortes “aller Dinge”, den bald werden sowohl unser Kühlschrank, als auch unser Auto, usw., sowie natürlich wir selbst in der Cloud vernetzt sein), werden wir uns vielleicht bald auf Computer-Algorithmen verlassen, um wichtige Entscheidungen zu treffen, zum Beispiel die Wahl einer Schule für ein Kind, und vielleicht sogar die Entscheidung, ob wir XZ heiraten sollen oder nicht.

Natürlich sind das nur Thesen, wer aber glaubt sie mit einer Bemerkung vom Tisch wischen zu können, dem Rate ich zur Lektüre von Homo Deus. Es handelt sich um ein wahrlich prophetisches Buch. (Wobei wir aber natürlich nicht vergessen dürfen, dass die einzige sichere Aussage, welche sich über Propheten machen lässt, die ist, dass Propheten sich immer irren.)

Auch Harari ist sich dessen bewusst, weshalb er den Text nicht mit drei Behauptungen, sondern drei Fragen abschließt:

  1. Sind Organismen wirklich nur Algorithmen, und ist das Leben wirklich nur Datenverarbeitung?
  2. Was ist wertvoller: Intelligenz oder Bewusstsein?
  3. Wir werden sich unsere Gesellschaft, Politik und das tägliche Leben verändern, falls Algorithmen uns wirklich bald besser kennen als wir selbst?

Diese Themen, mit welchen sich nur eine kleine Elite der Menschheit beschäftigt, werden unser aller Leben bald ganz entscheidend beeinflussen.

(Mehr zu Harari im vorangehenden Post (Zitat #3), sowie hier, hier und hier.)

1 thought on “Homo Deus – Yuval Noah Harari”

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