Virtue Signalling

Virtue Signalling (oder amerikanisch: Signaling). Zu deutsch etwa: Zurschaustellung von Tugend und Moral. Durch große Worte (nicht durch Taten), oder heutzutage meist durch einen click & share, drückt man aus, dass man mit etwas nicht einverstanden ist, nicht zum Zweck, diese Sache zu ändern, sondern um sich selbst als tugendhafte Person darzustellen. Klassisches Virtue Signalling ist es, in Sozialen Medien, zum Beispiel, auf die brutale Siedlungspolitik Israels hinzuweisen, oder die amerikanische Waffenlobby zu entlarven. Auch Politiker sind davor nicht gefeilt: John Bercow, Speaker of the House of Commons, will Donald Trump in demselben nicht auftreten lassen. Natürlich geht es dabei weder um Trump noch um dessen Sexismus und Rassismus, welche Bercow als Gründe für seine Empörung vorbringt, sondern um Mr. Bercow selbst. Unbestreitbar ein Mann von Tugend und Moral (obwohl sogar das Hausblatt aller Kämpfer für Moral und Tugend, der Guardian, der Scheinheiligkeit verdächtigt – immerhin hatte Mr. Bercow nichts gegen den Besuch des Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas einzuwenden.

 

2 thoughts on “Virtue Signalling”

  1. Birgt eine gewisse Ironie, dass du durch einen kurzen Text deine moralische Überlegenheit gegenüber jenen zum Ausdruck bringst, die selbt ihre Tugendhaftigkeit durch irgendetwas zur Schau stellen.
    Und wenn wir das fortführen wollen, dann zeige auch ich jetzt meinen Standpunkt zu diesem Meta-Thema durch einen simplen Text, ohne große Taten folgen zu lassen. So einfach geht das.

    Die Frage ist, welche “Taten” denn jetzt etwas zählen? Immerhin macht Bercow etwas und begründet dies sogar (wenn auch für dich nicht glabwürdig). Die Doppelmoral ist gut herausgestellt, aber was wäre denn eine von dir vorgeschlagene Reaktion, die ihm aus diesem Moral-Dilemma befreit hätte?

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    1. Guter Punkt: Mein Seitenhieb auf die Tugend-Signallgeber ist natürlich auch eine Art Virtue Signalling … Ich bin wohl davon nicht gefeit …

      Zu Bercow: Wäre ich in seiner Position, würde ich Trump im House sprechen lassen (genauso wie er richtigerweise auch Xi Jingpin hat auftreten lassen). Schließlich geht es nicht um Bercows persönliche Meinung zur Person Trump, sondern um die institutionellen Beziehungen zweier befreundeter Nationen. Er könnte ja dann bei der Begrüßung subtile Kritik in seine Rede einfließen lassen, wie die Briten das ja beherrschen und wie er das auch bei Jingpin getan hat. Das Nicht-Klatschen oder das Rücken-Zudrehen oder das Plakate hochhalten oder vielleicht sogar das empörte Zwischenrufen, könnte er dann einigen virtue-signalling Abgeordneten überlassen (obwohl bei Jingpin keine Free-Tibet-Plakate zu sehen gewesen waren).

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