La Torre

Das La Torre ist, wie so manche spanische Kneipe, ein Hort der Gemütlichkeit in einer brodelnden Welt. Das nasse Kühl bleibt genauso draußen wie das fieberhaft um sich greifende Gezänk. Zwar flimmert die Welt über den Fernseher – ein Fenster nach draußen, aber niemand schaut hin. Was dort geschieht verflüchtigt sich sofort und vermag hier drin kein Haar zu krümmen. Wir hatten erwartet, dass Trump nach seiner Wahl ruhiger werde, sich in einen mehr oder weniger normalen Präsidenten verwandeln werde. Jeden Tagen werden wir daran erinnert, dass daraus nichts werden wird. Gestern soll er sich am Telefon mit den Präsidenten Mexikos und Australiens in die Haare geraten sein. Dem ersten drohte er, die Armee über die Grenze zu schicken, um sich um die Drogendealer, diese „bad hombres“, zu kümmern; das Telefonat mit Zweiterem wurde nach 25 Minuten abgebrochen, als der australische Präsident darauf bestand, dass die USA über tausend, auf irgendwelchen Südseeinseln gestrandete Flüchtlinge, aufnehme, gemäß einem Vertrag welche Australien mit der Obama Administration abgeschlossen hatte. Auch daraus wird natürlich nichts. In Spanien geht’s ebenfalls drunter und drüber. Ein korrupter Haufen regiert das Land, und auf diesen muss die Nation nun vertrauen, um die katalanischen Unabhängigkeitsgelüste in Schach zu halten. Präsident Rajoy, eine graue Maus, hat angekündigt ein für Juni in Katalonien geplantes Referendum per Staatsgewalt zu verhindern. Das heißt, die Nationalregierung müsste das Kommando der Mossos, der katalanischen Polizei, an sich reißen … Zum Glück bleibt all dies aus meiner Bar ausgesperrt. Sie ist gedrängt voll. Man trinkt Kaffee, isst Churros, Porras oder längsseitig aufgeschnittenes und getoastetes Baguette mit Olivenöl und Tomate. Die Kellnerin und ihre beiden Kollegen hinter der Theke haben alle Hände voll zu tun. Trotzdem steht der dampfende Cortado im Nu vor mir. Es ist warm und laut. Beides, die Wärme und der rauschende Lärmpegel, bestehend aus einem Dutzend Gesprächen, der ratternden Kaffeemaschine, dem zischenden Dampf der die Kaffeemilch wärmt, dem belanglosen Geplauder im Frühstücksfernsehen, welches vom an der Decke klebenden Kasten auf unser herunterfällt – beides umschließt mich wie ein Kokon, welcher mir die Welt vom Leibe hält. Dazu lese ich in einem kleinen Buch von Hanns-Josef Ortheil – ein Beobachter des Schönen, Erinnerungen an eine geborgene Welt.

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