Amerika II

Downtown San Antonio besteht aus ein paar Hotel- und Bürotürmen, dahinter ist von meinem im zwanzigsten Stock gelegenen Hotelzimmer aus nicht mehr viel von der Stadt zu sehen. Hätte ich beim nächtlichen Landeanflug nicht den sich meilenweit erstreckenden Lichterteppich gesehen, würde ich mich in einem kleinen Städtchen wähnen. Die Baudichte ist so gering, dass sich die Stadt jenseits der Wolkenkratzer im Nichts aufzulösen scheint.

Unter mir wehen die Fahnen auf Halbmast. Nur auf dem höchsten Gebäude der Stadt steht die Stars and Strips unbekümmert im Wind. Ich weiß nicht, ob die Verantwortlichen die Attacke auf Pearl Harbour, die sich heute zum fünfundsiebzigsten Mal jährt, vergessen haben, oder ob das Einholen der Fahne zu kompliziert ist.

Im Gebäude daneben, einem Parkhaus, macht ein Mann auf dem Dach Kettlebellübungen. Ohne Unterlass schwingt er seine Eisenkugel durch die Luft, als wolle die Schwerfälligkeit, die an diesem kalten, grauen Tag über der von Dauerweihnachtsmusik berieselten Stadt liegt, zum Teufel jagen.

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