Arrival

Gestern sah ich Arrival. Zwölf merkwürdige Flugobjekte landen auf der Erde. Darin befinden sich tintenfischartige Wesen. Die Regierungen der betroffenen Länder schicken ihre besten Linguisten, um mit den Außerirdischen zu kommunizieren. Schließlich entziffert man die Nachricht “offer weapon”. Man wittert Krieg. Die Haudegen China und Russland befehlen die Mobilmachung. Die internationale Kommunikation bricht zusammen. Zum Glück aber schafft es eine amerikanische Sprachwissenschaftlerin den drohenden Krieg im letzten Augenblick abzuwenden. Sie findet heraus, dass die Tintenfische den Menschen keine Waffen anbieten, sondern eine neue Sprache. Ein universelle Sprache, welche Menschen verbindet, anstatt sie zu trennen. Der Erwerb einer neuen Sprache stelle – so die Lektion, welche uns die Filmemacher erteilen – neue Verbindungen im Gehirn her und die Sprache der Besucher ist so hochentwickelt, dass die amerikanische Linguistin – der erste Mensch, welche die neue Sprache beherrscht – die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, erwirbt. Sie schafft es, die Regierungen zu überzeugen, wieder miteinander zu sprechen und kann den Gewaltausbruch abwenden. In einer der letzten Szenen wird eine Art UN-Weltfest gefeiert. Es scheint, als hätte der Erwerb der neuen Sprache die Menschheit endlich geeint.

Der Film gefiel mir gut. Die Musik ist hervorragend, die Erzähltechnik überraschend. Er setzt sich interessanten Themen auseinander:  Sprache und Politik; Sprache und Krieg; Sprache und Frieden. Trotzdem unterliegen die Macher dem alten Irrtum, dass Frieden, Einheit und Stabilität möglich sei, wenn nur dies oder jenes geschähe. Wie schon die Alchemisten, welche nach der geheimen Zutat zur Goldproduktion suchten, spüren sie der Friedensformel nach. Sie befinden sich damit im Boot mit den Religionen, den Kommunisten, den Kapitalisten, usw. – sie alle versprechen die Schaffung eines utopischen  Reiches, wenn nur xy geschehen. Die zeitgenössische Facebook-Version dieses alten Traums ist die Aussicht auf eine friedliche Welt, würden wir nur miteinander sprechen.

Dabei wird übersehen, dass alles immer in Bewegung ist. Auf jeder Stufe: vom einzelnen Menschen, über die Geschichte der Menschheit bis hin zur Materie im Universum ist alles im ständigen Fluss.Wir werden mitgerissen, sind hilflos und deshalb immer auf der Suche nach Ordnung. Manchmal glaubt man es geschafft zu haben (in diesem Glauben wuchsen wir auf), bis man merkt, dass nichts von Dauer ist (2016 war das Jahr, in dem uns dies eindrücklich vor Augen geführt wurde). Ständige Umformung ist die Kondition des Universum und alle Materie (also auch wir: Materie mit Bewusstsein) sind davon betroffen. Der Wunsch, die stete Verwandlung stoppen zu wollen (also das Ende der Geschichte herbeizuführen) führt normalerweise zu Barbarei und Tod: KZs, Gulags, Kriege für die Demokratie.

Nur wer die ständige Veränderung innerlich akzeptiert ist frei.

One thought on “Arrival”

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s