Sechs Gedanken zum Unbewussten

Noch betrachte ich Jungs Gedankenwelt von außen, aber in mir entstehen die ersten Gedanken zum Unbewussten, welche sowohl auf dem in der Autobiographie Gelesenen als auch auf eigenen Erfahrung beruhen. Noch sind es lose zusammenhängende Ideen:

Erstens. Ich bin mir über den Unterschied zwischen dem Unbewussten und der Seele nicht ganz im Klaren, aber meine Intuition sagt mir, dass die beiden Konzepte zwar nicht identisch, aber miteinander verwandt sind.

Zweitens. Ich glaube, dass es sich beim Unbewussten, auch wenn es ein Produkt körperlicher Prozesses ist, um unsere Verbindung mit der nicht-materiellen Welt handelt. Das Unbewusste geht über das Materielle hinaus. Jung schreibt, dass es “Dinge in der Seele gibt, die nicht ich mache, sondern die sich selbst machen und ihr eigenes Leben haben.” Das Unbewusste besitze “Leben, wie Tiere im Wald, oder Menschen in einem Zimmer, oder Vögel in der Luft.”

Etwas später im Text erzählt Jung die Geschichte von einem Inder, mit dem er ein Gespräch über Meister (Gurus) und Schüler führt. Jung ist zunächst erstaunt, als der indische Freund ihm erzählt, sein Guru sein ein Kommentator der Veden gewesen, also ein “Geist”. Ähnliches hört man übrigens auch von Menschen, welche Erfahrung mit psychedelischen Drogen gemacht haben, vor allem mit Ayahuasca, dem plant teacher. Diese Substanzen reißen einem ins Unbewusste, wo man vom eigenen Selbst unabhängigen “Wesen” begegnen soll.

Drittens. Das Unbewusste (unsere Seele – obwohl nicht identisch darf man die beiden Begriffe doch synonym benutzen) geht nicht nur über das Materielle hinaus, es ist überdies verbunden mit dem Ganzen. Inwiefern dieses Ganze Gott ist oder “nur” die kollektive menschliche Seele weiß ich nicht. Vermutlich ist die Seele mit Gott verbunden, das Unbewusste mit dem kollektiven menschlichen Unbewussten. Beide Konzepte hängen auf eine mir noch unverständliche Art zusammen.

Viertens. Das Unbewusste (in einem gewissen Sinne also auch Gott) spricht im Traum zu uns. Nicht nur im Traum und vielleicht auch nicht in jedem Traum, aber immer wieder im Traum. Das war in alten, biblischen Zeiten ganz selbstverständlich. Ich glaube, dass die Traumbotschaften zunehmen und an Gewicht gewinnen, wenn wir von ihnen Notiz nehmen. Trotzdem sind Träume keine direkten göttlichen Befehle oder Gebrauchsanleitungen, sondern Bilder und Geschichten. Es gilt sie zu interpretieren.

Fünftens. Das Unbewusste hat einen großen, wenn nicht sogar alles entscheidenden, Einfluss auf unser Leben. Die Basis dafür wie wir denken, handeln und die Welt verstehen, liegt im Unbewussten. Je besser wir also das Unbewusste verstehen, verstehen wir uns selbst und die Welt.

Ich gehe sogar noch weiter: Das Unbewusste schafft Realität und Welt. Es manifestiert sich in unserer Welt. Jung erzählt die Geschichte von einem Eisvogel, der in seiner Fantasie auftauchte – Tage später fand er auf einem Spaziergang einen toten Eisvogel, ein Tier, dass in der Umgebung von Zürich kaum auftauchen soll. Später schreibt er von merkwürdigen Erscheinungen in seinem Hause, in einer Zeit, als er tief abtauchte und sich den Gestalten in seinem Unbewussten aussetzte. Natürlich sind das nur Anekdoten, auffällige Beispiele dafür wie das Unbewusste sich in der Realität manifestiert, aber unbedeutend verglichen mit der weniger augenfälligen dafür aber umso umfassenderen Weltschaffung des Unbewussten.

Sechstens. Die Beziehung zwischen dem Unbewussten und dem Bewussten ist keine Einbahnstraße. Ja, das Unbewusste manifestiert sich in der Welt, aber unser Wahrnehmen (was wir sehen und hören) und unser Denken, Sprechen und Handeln beeinflussen wiederum das Unbewusste. Unsere Innere Stimme (also das Bewusste) beeinflusst das Unbewusst. Wir betrachten die Welt selektiv, und das Unbewusste reagiert darauf. Das ist ein sich selbstverstärkender Kreislauf. Wir erzählen uns Geschichten über die Welt, diese Sinken ins Unbewusste und das Unbewusste manifestiert Realität entlang den Linien dieser Geschichte.

*

Wie gesagt, sind das erste, noch unfundierte und unzusammenhängende Gedanken. Kann ich trotzdem schon (vorläufige) Schlussfolgerungen ziehen? – Ja, diese:

Erstens. Selftalk matters. Das Unbewusste schafft Realität. Diese Realität aber ist der Output dessen, womit wir das Unbewusste füttern.

Zweitens. Dreams matter. Wenn wir unsere Realität verstehen wollen, müssen wir zunächst auch das Unbewusste verstehen. Der Traum ist ein direkter Zugang zu diesem.

Drittens. Psychogeograhy matters. Wer seine Umgebung analysiert, findet darin sich selbst.

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