C.G. Jungs Autobiographie (II)

Jung wird, was mich immer wieder erstaunt hat, auch in populär-esoterischen Kreisen oft zitiert. Das ist erstaunlich, weil die Welt des Mystischen normalerweise vom akademisch anerkannten Denken durch eine hohe Mauer getrennt ist. Kaum wird über diese Hinweg zitiert. Jung ist aber hier wie dort anerkannt und beliebt.

Die ersten Kapitel seiner Autobiographie lesend, wird einem Gewahr, worauf das gründet. Ganz selbstverständlich schreibt Jung über zweierlei: zum einen die Gotteserfahrung und zum zweiten die Seele.

Jung hatte schon als Junger Mensch erkannt, dass er aus zwei “Ichs” besteht. Er nennt es die Nummer 1, den ärmliche Priestersohn aus dem Baselbiet, der sich erst zum Studienabschluss seinen ersten Theaterbesuch leisten konnte, und die Nummer 2, eine außerhalb der Zeit bestehende Person. Gotteserfahrungen waren Sache der zweiten Person. Das Göttliche präsentierte sich dieser in der Form von Träumen und außergewöhnlichen Erfahrungen. Jung war dabei fest in der christlichen Religion verankert, stand aber als Außenseiter ganz am Rande. So konnte er mit dem “Herrn Jesus” seines Vaters und den leeren theologischen Floskeln über denselben nie viel anfangen; der Heilige Geist hingegen war ihm Symbol für den Gott, der irgendwie mit seiner Person Nummer 2 verbunden war.

All dies war für Jung nicht erdacht und erlesen, sondern erfahrene Erkenntnis. Er las die großen Philosophen und Goethe (Gerüchten nach Jungs Urgroßvater!) um diesen Erfahrungen ein Denksystem zu geben. Seine Person Nummer 1 war praktischer veranlagt: Sie hielt nicht viel von den Philosophen, weil sie sie auf die praktische Vernunft aufbauten und scheinbar nicht viel Erfahrung vorzubringen hatten. Person Nummer 1 verschrieb sich den Naturwissenschaften und der Empirie. Jung studierte Medizin. Es scheint mir, dass die beiden Personen sich gegenseitig in Schach hielten.

So – eigentlich ganz zufällig – entdeckte Jung das damals von den meisten Medizinern belächelte Feld der Psychiatrie. Er fand in ihr ein Forschungsgebiet, wo die Naturwissenschaften und das Unbewusste zusammenkamen. Hier konnten seine beiden Personen gemeinsam Studien betreiben. Anstatt dem Ruf seines Professors an ein Institut für Innere Medizin nach München zu folgen, ging Jung ans Burghölzli.

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